Lino Casu – Diversita

Fiese Tricks von Polizei und Justiz

Genormte Seele


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Der Autor zu seinem Buch:

Die moderne Psychiatrie ist eine sehr junge Disziplin. Ihr Weltbild, auffälliges Denken, Fühlen und Verhalten auf simple neurophysiologische Vorgänge zu reduzieren, ist ebenso naiv wie gefährlich. In meinem Buch möchte ich aufklären über die gedanklichen Modelle, die den psychiatrischen Anwendungen zugrunde liegen. Gleichzeitig will ich auf die enormen Risiken hinweisen, die daraus entstehen, wenn Betroffene sich nichtsahnend den psychiatrischen Anwendungen hingeben. Schließlich habe ich versucht zu zeigen, dass es alternative Deutungsmuster zu Phänomenen wie Psychose und Depression gibt und wie diese aussehen können.

Leseprobe:

Einleitung

Genormte Seele – dieser Titel drückt schon den ganzen Gehalt und die Intention der modernen Psychiatrie aus.

Vordergründig scheint es darum zu gehen, Menschen zu helfen und ihr Leiden zu lindern. Doch steckt hinter dem Wunsch, Leiden zu lindern, also dem medizinisch-sozialen Ansatz, auch ein gesellschaftspolitischer und ein ordnungspolitischer Ansatz.

Die moderne Psychiatrie ist ermächtigt worden, gewisse Phänomene,die außerhalb der Vernunft und des Gesunden zu liegen scheinen, zu bekämpfen und zu verdrängen. Das bekannteste Beispiel diesbezüglich ist die sogenannte Schizophrenie. Die Schizophrenie wurde durch die Psychiatrie zu einer Krankheit erklärt, die behandelt werden müsse. Die Deutungshoheit über dieses Rätsel Schizophrenie wurde von der Psychiatrie annektiert.

Da die Psychiatrie sich aber gleichzeitig als medizinische Disziplin versteht, suchte sie auch nach körperlichen Ursachen für diese ‚Krankheit‘, um daraus geeignete Therapieansätze abzuleiten. Der Hauptansatz, der sich Mitte des 20.Jahrhunderts daraus entwickelte, war der Einsatz von Neuroleptika. Dies ergab sich aus der Annahme der Dopaminhypothese, die besagt,dass ein Überschuß an Dopamin im Hirnstoffwechsel ursächlich für die Entstehung der Schizophrenie sei. Die Neuroleptika blockieren, kurz gesagt, den Dopaminstoffwechsel in Teilen des Gehirns.

Mit dem Einsatz der Neuroleptika konnten in der Tat wesentliche Erscheinungsformen der Schizophrenie, wie Wahn und Paranoia, zum Verschwinden gebracht werden. Für die Schulpsychiatrie war das ein Durchbruch. Der Preis, den hingegen Millionen von Menschen seither in der westlichen Welt zu zahlen hatten für diese Art der „Therapie“, ist jedoch enorm hoch und mit vielen traurigen und erschütternden Schicksalen der „Schizophrenen“ verbunden.

Der Kampf, den die Psychiatrie führt, ist auf einer gewissen Ebene eigentlich ein Kampf der sogenannten Vernunft gegen das sogenannte Irrationale. Zugleich ist sie ein Kampf des sogenannten Gesunden gegen das sogenannte Kranke. Man sieht also, dass es hauptsächlich um Normen geht, um Definitionen von Normen und deren Durchsetzung in der jeweiligen Gesellschaft, zur Not auch mit Zwang und Gewalt.

Die Psychiatrie, also die Wissenschaft von der Seele bzw. Psyche, legt fest, was im Bereich der Seele sein darf und was nicht. Sie legt fest, was im Denken, Fühlen und Verhalten eines Menschen gesund ist und was nicht. Schließlich bekämpft sie das, was „krank“ bei einem Menschen ist, was also nicht sein darf, und stellt so die normative Ordnung wieder her.

Heutzutage ist es gefährlich, von der Norm abzuweichen. Es könnte eine lebenslange Psychiatrisierung bedeuten. Davon, von den Normen, Vorstellungen und Einstellungen der Psychiatrie, deren Durchsetzung mittels verschiedener Anwendungen und den Konsequenzen für die sogenannten

„Psychisch Kranken“ handelt der Hauptteil dieses Buches.

Zum Schluß, sozusagen als Hoffnungsschimmer und als Ausblick, werden die alternativen Sichtweisen und Umgangsmöglichkeiten mit den Phänomenen skizziert, die die Psychiatrie als „krank“ und behandlungsbedürftig ansieht.