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Ein Streit mit meiner Mutter und Abraham Geiger

Wie im nachfolgenden Beitrag von tapferimnirgendwo.com ersichtlich, beschäftigt die aktuelle politische Situation auch das Gesprächsthema in meinem Zuhause.

Mir wurde Theodor Herzl entgegengeworfen. Dieser ist aber erst 1860 geboren. Meine Argumentation fängt schon bei Abraham Geiger an. Dieser war schon 1810 geboren, und ich nannte ihn, weil in meiner Theorie, die Frage des liberalen Judentums, der Frage ab wann und durch was, kam die „Radikalisierung“ der Orthodoxen, landleufig als das unnötige Schreckgespenst „Zionismus“ beschrieben, vorraus.

Wie schon meine Oma, Margarete Herrmann, mir schilderte, waren früher die Frauen von den Männern in der Synagoge getrennt.

„Entscheidend für diese Richtung ist die Aufteilung der jüdischen Gebote in ethische und rituelle Gesetze sowie die Auffassung, dass die ethischen Gesetze zeitlos und unveränderlich seien, die rituellen Gesetze hingegen verändert werden könnten, um sie dem jeweiligen Lebensumfeld anzupassen. Im Gegensatz zum orthodoxen Judentum geht das Reformjudentum von einer fortschreitenden Offenbarung Gottes in der Geschichte aus. Dabei wird die Offenbarung als ein von Gott ausgehender und durch Menschen vermittelter dynamischer und fortschreitender („progressiver“) Prozess begriffen und nicht als ein einmaliger Akt, bei dem Moses durch Gott wörtlich die Tora („schriftliche Lehre“) sowie alle Auslegungen („mündliche Lehre“, später im Talmud und der Rabbinischen Literatur niedergeschrieben) erhalten hat. Daraus wird die Verpflichtung zur Bewahrung der jüdischen Tradition, aber auch zu ihrer beständigen Erneuerung abgeleitet. Die Texte des Tanachs sind einer historisch-kritischen Erforschung nicht entzogen. Statt auf das Kommen eines persönlichen Messias zu warten, hofft man auf das Anbrechen einer messianischen Zeit.
Rabbiner Abraham Geiger.

Das liberale Judentum bildete in Deutschland bis zur Schoah die Mehrheit innerhalb der „Einheitsgemeinden“. Heute ist das liberale Judentum (in den USA „Reform Judaism“ genannt) die Richtung mit den meisten Mitgliedern. Organisiert sind die jüdischen reformorientierten, liberalen und progressiven Gemeinden in der World Union for Progressive Judaism, die 1926 unter maßgeblicher Mitwirkung von Rabbiner Dr. Leo Baeck, einer Führungspersönlichkeit des deutschen Judentums, gegründet wurde. Deren nationaler Zweig in Deutschland ist die Union progressiver Juden in Deutschland, der rund 20 liberale jüdische Gemeinden, einige Organisationen sowie das Rabbinerseminar Abraham-Geiger-Kolleg angehören. Deutschsprachige liberale Gemeinden gibt es auch in Österreich (Wien) und in der Schweiz (Zürich).“ (Wikipedia)

„Zum entscheidenden Vordenker Akteur der Reformbewegung wurde Abraham Geiger, der zunächst 1832 Rabbiner in Wiesbaden und 1839 in Breslau wurde. Anders als Israel Jacobson, ging es ihm nicht nur um eine Neugestaltung von Ritus und Liturgie, sondern um eine Reform der jüdischen Theologie, die sowohl auf der Tradition als auch auf einem kritischen Studium der heiligen Schriften beruhen sollte. Bereits 1836 hatte Geiger die Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät an einer Universität gefordert. Er gehörte sowohl 1854 zu den Initiatoren des Jüdisch-Theologischen Seminars in Breslau als auch 1872 zu den Gründern der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin.

Entscheidende Impulse für die weitere Entwicklung des Reformjudentums gingen einer ersten, 1837 von Geiger nach Wiesbaden einberufenen Rabbinerversammlung aus sowie von den Rabbinerkonferenzen, die 1844 in Braunschweig, 1845 in Frankfurt am Main und 1846 in Breslau stattfanden.“ (Wikipedia)

Dies alles geschah noch vor Theodor Herzls Geburt.

„Innerhalb der Reformbewegung vertrat Geiger eine gemäßigte Position und versuchte zwischen den radikaleren Auffassungen von Samuel Holdheim und Kaufmann Kohler sowie den konservativen Vertretern wie Zacharias Frankel und Heinrich Graetz zu vermitteln. Geiger setzte sich für den Gebrauch des Deutschen in der jüdischen Liturgie ein und empfand die meisten Speisegesetze als unangemessen. Er bezeichnete die Beschneidung in einem Brief an Leopold Zunz als „barbarisch blutiger Akt“, stellte sich jedoch gegen einen Aufruf des Frankfurter Reformvereins zu deren Abschaffung und sprach sich auch dagegen aus, den Schabbat auf den Sonntag zu verlegen.“ (Wikipedia)

Solche Bestrebungen förderten, auch durch die Jahrtausende lange Diaspora, zu einer Gegenbewegung, dem erstarken Teilen des ortodoxen Judentums.

Israel ist nicht Herzl allein.

Ausserdem, wer Angst vorm Zionismus hat, hat auch Angst vor dem Stalinismus. Beides Schreckgespenster, die immer aus der selben rechten Ecke kommen.

Der Glaube einer „großen Weltverschwörung“ egal ob man ihn für noch so absurd hält oder nicht, entlässt das einzelne Individuum aus der Verantwortung der sogenannten „Verfügungsmasse bzw Stimmviehs“ sich aufs Wesentliche, nämlich seinen eigenen Handlungsradius zu beleuchten, und sich gegebenfalls von der Masse zu unterscheiden.

Denn „ich kann ja nix machen“, ist eine billige Ausrede.

Mann oder Frau kann umdenken.

Und z.B. die Spaltung und „Radikalisierung“ des Judentums einmal auf matriachalische und patriachialische Fragen runterbrechen und das Trauma der jahrtausenden Diaspora ernst nehmen. Da muss man nicht gleich mit dem Holocaust argumentieren, um Israel ein Existensrecht zu attestieren.

Mit dem Argument des Holocausts müsste auch dem letzten Gegner klar werden, das es das normalste und menschlichste ist, nach so etwas einen enormen Wunsch nach einem eigenen Schutzraum und Lebensraum zu haben.

Wer das leugnet, ist ein Antisemit.

Und wer meint Amerika und Israel seien diejenigen die immer das Öl ins Feuer giessen, sollte einmal diesen Artikel lesen, ganz davon abgesehen, das Israel und Palestina per se keine schwarzweiße Verfügungsmasse ist, wie uns immer in den Medien berichtet wird. Es gibt so viele Friedenbewegungen auf beiden Seiten.

Ich habe eher das Gefühl, man hält den Konflikt seit so langer Zeit absichtlich am laufen, weil man einen Brandherd, möglichen Kriegsgrund, und für die eigene Innenpolitik ein Beispiel brauch alla „schaut mal her, seit froh nicht dort zu sein.“.

Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa

Hier nun nur eins von vielen positiven friedenspolitischen Projekten als Beispiel:

Ferien vom Krieg

„Seit 2002 lädt Ferien vom Krieg in Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen mehrmals jährlich junge Erwachsene aus Israel und Palästina (Westbank) zu zweiwöchigen Dialogseminaren nach Deutschland ein. In von israelischen und palästinensischen Moderatoren angeleiteten Seminaren bearbeiten sie die jeweils eigene Betroffenheit durch den Nahostkonflikt, inklusive der kollektiven Leidensgeschichte der einen und der anderen Seite, und sie lernen die „fremde Sicht“ auf die Konfliktgeschichte kennen. Dabei werden kritische Themen wie der Siedlungsbau, der Bau der Sperranlage, Selbstmordattentate auf israelische Zivilisten, sowie der Krieg in Gaza 2008/09, auch bezeichnet als Operation Gegossenes Blei, bewusst nicht ausgespart.

Inzwischen gibt es in den Heimatregionen, unterstützt von Ferien vom Krieg, immer mehr Folgetreffen, Projekte und Gruppen, die über die Grenzen hinweg ihre Erfahrung weiter vermitteln. Weiter findet ein jährliches Frauenseminar statt, in dem neben dem Konflikt auch die Rolle der Frauen in beiden Gesellschaften thematisiert wird.

Wiederholt wurden auch Ferienspiele in den Sommerferien für jeweils 150 Kinder in Nablus und Gaza (Stadt) organisiert.“ (Wikipedia)

Vor ein paar Jahren waren sie in Frankfurt. Dort habe ich sie besucht.
Es kann mir keiner erzählen, das es unter jungen Palästinensern und Israelis niemand gibt, der am Frieden interessiert ist.

Warum rückt man nicht diese Jugend in den Vordergrund?

FRIEDEN IN ISRAEL UND PALESTINA

Soll ich nun hier auch eine Verschwörung vermuten?

Ach was rede ich mir den Mund fusselig.

Der Frieden ist nicht gewollt, weil mann oder frau sonst seine Weltverschwörungstheorie hinterfragen müsste.

Das ist traurig, aber ohne den jeweiligen Buhmann bzw. Buhfrau können die durch Hass zersetzten wohl nicht leben.

Und doch gibt es so viele auf beiden Seiten, die den Frieden wollen.

Warum er dann doch nicht möglich ist, geht partout nicht in meinen Kopf.

Der einzige Grund, den ich mir dann noch vorstellen kann ist, weil es so verdammt bequem ist.

Deshalb …

weltfrieden

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