LAMMFROMM

Canzoni Anarchici:

Leben … eine täglich neue Aufgabe !
oder ?
Der mündige Bürger und das Schweigen der Lämmer!

Wenn schon die Märtyrer, dann aber auch wirklich alle.
– Welcher Märtyrer ist wertvoller als der andere?
Elias Canetti

“Wenn man dir liniertes Papier gibt, schreibe quer über die Zeilen!”
Juan Ramon Jiminez

In Gedenken an Susanne und Margit Herrmann

Eine wahre Geschichte !

Kapitel 1: Einleitung

Schallplatten sind auch keine Lösung

Die Luft war kalt, aber sauber. “Für eine Industriestadt selbst im Winter ein äußerst erfreulicher Moment“; dachte Jimmy Small. Nach einem Bier und der hunderfünfzigten Zigarette, einsam vor dem Computer, hatte er den Beschluss gefasst, seinen alten Kumpel Luigi anzurufen und zu ihm zu fahren. Als er an Adams Bistro, um die Ecke bog, sah er gerade die S-Bahn davon fahren. „Na ja, halb so wild“; sprach er leise vor sich hin. Mit einem Kaffee in der Hand nahm er gemütlich Platz.

Es hatte schon etwas für sich, wenn man so nahe am Flughafen wohnt. Man war schnell überall, denn die Züge fuhren oft. Aber, dass heute Morgen, um fünf Uhr, schon wieder der erste Flieger ihn geweckt hatte, nervte langsam. Sein Schlafrhythmus war seit Monaten total aus den Fugen. Aber er hatte es endlich geschafft. Letzte Nacht stand endlich in der Log-Datei:

Object: Bass Source Stream, msg: Connection succeeded.

Es war der 24.12.2004 gewesen. Endlich hatte er den Nachweis, es funktioniert, aber er wusste auch, er würde es nie mehr hinbekommen. Die Stimme im Kopf hatte nur noch geschrien: „Die Wiederholung, der Wiederholung!“. Dann, für einen Moment, für einen Bruchteil, bruchteils, Stille, Nichts, Ruhe, Leere. Luigi hatte ihn wieder am Telefon weggedrückt. Nun saß er im Zug nach Frankfurt. Wenn schon niemand ihm zum Geburtstag gratulierte, wollte er im Spacebreaks sich die Kante geben.

Am Bahnhof angekommen steckte er sich eine Zigarette an und lief in die Richtung, wo er das überdimensionale grüne Ampelmännchen vermutete. Von dort aus musste er nur noch der Hauptstraße folgen. An der alten Farbenfabrik angekommen betrat er das Gelände.
Links neben sich an der Wand stand ganz lapidar „Milchsack“.

Hier war er Richtig.

Mit einem Bier in der Hand begab er sich ans hintere Ende der Tanzfläche. Er war hier schon als Kind gewesen schoss es ihm durch den Kopf. Doch die Erinnerung verblasste vor seinem inneren Auge. Er hätte so gerne nochmal diesen Abend erlebt. Doch dies ist eine andere Geschichte.

Kapitel 2:

Macht durch Abhängigkeit

Er saß mal wieder auf dem Revier 19. Irgendjemand musste ihm doch helfen. Man sah ihm deutlich an, wie fertig er war. Wenn sie seine Gedanken lesen könnten, müssten sie schon wissen, was zu tun ist. Sein Herz pumpte, aber er hatte das Gefühl eine kalte Katze sei ihm begegnet. Wie bekommt er dieses Chaos, dass seine Seele bei lebendigem Leib frisst wieder los? War alles was er denken konnte. Er dachte an das, was er seiner Mutter gesagt hatte.

„Die Zeit heilt keine Wunden“

Und doch lebte er versuchte er sich einzureden.

Was war passiert?

Eines Abends, wann wusste er nicht mehr genau, er hatte das Gefühl, als hätte ihn mal wieder eine kalte Katze überfahren. Er hatte seinen Rucksack mit der Kamera am Rand der Gleise abgestellt und hatte sich auf die Gleise begeben. Das Chaos im Kopf sollte ein Ende haben. Doch ein Passant war anderer Meinung.
In dem Moment, wo der Zug einfuhr stand er wieder auf dem Bahnsteig. Wenigstens fahr ich jetzt ins Nirgendwo. Jetzt ist mir alles egal. „Lass es auf dich zu kommen.“, sagte die Stimme in seinem Kopf. „Gut ich lass es geschehen … aber ich habe darauf eigentlich gar keinen Bock!“, antwortete er und dachte laut: „Man der will mich doch nur ins Gehirn ficken!“

Zu dem Passant, der ihn von den Gleisen geholt hatte sagte er kein Wort. Jimmy Small wusste nicht, ob er einfach;“Danke“; sagen sollte oder ihm seine Geschichte erzählen sollte. Wenn er nur wüsste, wo er da anfangen sollte. In Mainz stiegen beide aus. Der Passant verschwand in die Nacht. Da viel Jimmy auf es fuhr kein Zug mehr zurück. Was sollte er nur tun? War die Strasse wirklich die Lösung? Es war kalt! Sehen so kalte Katzen aus? Er sah acht Jugendliche, die neben dem Bahnhofsvorplatz Karten spielten und näherte sich ihnen. Wie sich heraus stellte kamen sie alle von dem grossen Kontinent. Unter ihnen war eine Sam aus Kanada, ein Chris aus Amerika und ein José aus Mexiko. Sie studierten in Oestrichwinkel alle irgendwas mit Schwehrpunkt Wirtschaftswissenschaften und mussten deshalb wohl aus betuchtem Elternhaus kommen.
Das Kartenspiel war neu für Jimmy. Es wurde ihm zwar mit viel Mühe erklärt, doch hat er es bis heute nicht recht verstanden. Sam erzählte ihm sie warten nur auf eine Gelegenheit zum Flughafen zu kommen. So lange wollten sie mit Kartenspielen die Zeit totschlagen. Um ca vier Uhr in der früh näherte sich Ihnen eine italienische Frau um die fünfzig. Da Jimmy halber Sarde war widmete er sich ihr und begann ein Gespräch. Wärend diesem Gespräch bei dem sich auch Chris beteiligte eröffnete sie, sie wolle auch nach Italien, aber mit dem Zug, und fing an einen Joint zu bauen, den sie mit Chris und Jimmy teilte und gab Chris eine Fünfzigpfennigmünze. Zwei Minuten später tauchte ein sehr dünner, schlacksiger Junge, mit einer Baseballmütze auf, auf der CHE stand und die Frau und der Junge verschwanden Richtung Gleise. Da fasste Jimmy den Mut und fragte die Gruppe, ob er mit nach Rom dürfe. José sagte:“In Rom fängt der Spaß an“, und nickte.

In Rom Ciampino angekommen sagte Jimmy José, der schon an der Busstation stand:”Wartet auf mich, ich muss dringend aufs Klo.” Als er zurück kam, waren sie schon weg. Deprimiert wankte er zurück zu den Nasszellen. Ihm war eine Tür aufgefallen, an der, der Griff und das Schloss ausgesägt war. „Vielleicht kann ich mich hier verstecken und zur Ruhe kommen.“ Und ging hinein. Vor ihm öffnete sich ein Gang. Zur Linken war erst gar keine Tür. In diesem Raum waren mehrere graue Spinde. Alle offen. Er nahm den grauen Trenchcoat und zog ihn an. Die schwarze Baseballmütze lies er liegen. Er nahm den Regenschirm und stand plötzlich vor einem Sicherungskasten. „OK, ich weck die jetzt auf!“. Er zählte ENEMENEMU und klappte die größte Sicherung auf Null.
Die Ohrstöpsel am MP3-Player im Ohr, tanzend, betrat Jimmy die mitlerweile dunkle Checkin-Halle. Keiner schien ihn zu beachten. Nach einer halben Stunde gab er es auf.“Wenn schon denn schon“, und begab sich direkt zum Büro der Cagabichieri, wie er sie immer wieder nannte. Sie fragten, was er wolle. Er antwortete:“Aqua“. Die Flasche Wasser trank er in einem Rutsch und schrie: „Cosi non si fa … Cosi non si fa … Cosi non si fa . . .“, und atmete dann durch.
Derjenige unter den Carabinieri, der wohl das Sagen hatte, hatte mitlerweile Jimmys goldenes Telefonbuch in der Hand und sagte: „Maria, vedo un paio di sette qui“.

Als Jimmy in Frascati in der Klinik angekommen war, vernahm er als erstes das Schreien einer Frau, die in einem Zimmer eingesperrt immer wieder gegen die Tür hämmerte.

Als Jimmy nach drei Wochen Fixierung losgebunden erwachte und durch die Tür schritt, traute er seinen Augen nicht. Der Glasfront vor ihm fehlte ein gutes Stück. Langsam wankend näherte er sich jenem Licht und schaute hinunter. Unten lag ?, tot! Eine Pflegerin rief hoch: „Wirf das Laken runter“.

An diesem Tag hatte Jimmy aufgehört zu träumen des Nachts.

Kapitel 3:

Der luftleere Raum

Jimmy befand sich mal wieder auf der 13. Frisch angekommen in Begleitung seiner beliebten Freunde, meldete er sich brav an, zeigte seine Papiere, wies darauf hin, das er eine gewisse Abneigung gegenüber dem allseitz beliebten Zwang hatte und ging nachdem er sein Zimmer gezeigt bekam frohen Mutes in den Raucherraum. Auf dem Weg dahin grüßte er Charlie, der ihm in den Raucherraum folgte. Bei einer gemeinsammen Zigarette tauschte man die aktuellen Neuigkeiten aus.

Der erste Tag verlief ruhig und schon leicht besinnlich. Nachts blieb Jimmy im Aufenthaltsraum wach, rauchte hi und da eine Zigarette und hörte Musik mit seinem MP3-Player. Gegen ein Uhr dreissig ging Jimmy zu der Rezeption und fragte, ob er zur Beruhigung koffeinhaltiges Getränk, am besten warm, haben könne, weil er sich hinsetzen wollte und seine Gedanken aufschreiben wollte? Ihm wurde mitgeteilt, das Koffein, um die Uhrzeit leider nicht im Sortiment der Speisekarte vorhanden wäre. Frustriert ging Jimmy auf sein Zimmer, wo er von unrhytmischen Schnarchen begrüsst und folglich wachgehalten wurde.

🙁

Gegen 3h30 ging Jimmy entnervt zum „Aquarium“, wo die Rezeptionistin gerade die Abrechnung und das 2te Frühstück vorbereitete. „Guten Morgen Frau R., hätten Sie etwa Ohropax und einen Baldriantee für mich?“ Am Eingang saß ein „Neuer“ in Begleitung der allseitz beliebten Freunde.

In Begleitung von Frau R. ging Jimmy in die Küche und half das Frühstück vorzubereiten und machte sich einen Baldriantee. Danach ging er in den Raucherraum, wo sich mitlerweile der Neue befand. Er gab ihm Feuer und stellte sich vor. Schweigend zogen sie den Rauch in die Lungen, obwohl man im Raum eigentlich genug Nikotin, alleine durch die Anwesenheit im Raum, bekommen könnte.

Beim hinausgehen kam ein weiterer Schlafloser in den Raum. Die Station lebte, Tag und Nacht. Es herrschte eine gewisse Stille, di hi und da urplötzlich in rechtes Leben umschlagen konnte. Die Atmosphäre war meist deppressiv und es hing immer ein gewissser Hauch von Angst in der Luft. Jeder beobachte jeden. Diehenigen, die öfter da waren und sich kannten, begrüssten sich meist freudig und unter den Rauchern herrscht ein Codex;

WAS IM RAUCHERRAUM PASSIERT BLEIBT IM RAUCHERRAUM.

Ein weiterer Grund warum Jimmy nicht schlafen konnte war: …
Es gab mal wieder jemand, der das Bett nicht verlassen konnte und seiner Wut und Hilflosigkeit in unregelmäßigen Abständen Ausdruck verlieh, durch Stönen, Fluchen, Flehen, Betteln, Bitten, Weinen.

Also setzte sich Jimmy vor das Aquarium und suchte die nicht vorhandenen Fische im Großen und dachte nach was wohl der Putzerfisch im Kleinen denken würde.
„Hat er auch das Verlangen das Aquarium zu verlassen?“

Im Großen saß Frau R. und schrieb Kurven. Währenddessen dachte Jimmy nach, ob er die Situation nutzen sollte, den heimlich mitgebrachten Segufix-Schlüssel zu benutzen und den Armen aller Ärmsten von seinem Leid zu erlösen? Noch in Gedanken öffnete sich die Pforte und die Frühschicht kam herrein. Jimmy verwarf den Gedanken mit der subversiven Befreiungsaktion und ging erneut in den Raucherraum.

Als Jimmy wieder zurück zum Aquarium kam, saß eine Neue dort und wartete darauf, die Begrüssungspapiere auszufüllen und den AVD zu treffen. Der Blick trügte nicht, die Neue war nicht so oft da gewesen, wenn nicht zum ersten mal da. Desweiteren war Dragi aufgestanden. Es war ca 6h morgens. Dragi und Jimmy stellten sich gemeinsam an den Eingang des Aquariums und gingen ihrer Lieblingsbeschäftigung nach; dem Personal gehörig auf den Wecker gehen.

Jimmy aß zum Frühstück ein Nutoka-Brötchen, fragte wie immer absichtlich nach Erdnussbutter und ließ beim Weg auf das Zimmer einen Löffel mitgehen. Nachdem er ihn in seinem Zimmer verstaut hatte ging er in den Ausgang, um sich Zigaretten zu holen. Ausserdem wollte Jimmy ins Haus 9 zu Herr Glasmann. Jemand aus seiner Gruppe hatte sich ein paar Monate vorher seinem Leben ein Ende gesetzt und Herr Glasmann hatte ein halbes Jahr vorher die Pefi_gruppe mitgeleitet. Mit unruhigem Gefühl klingelte er im 2ten Stock des Haus 9.

Das Gespräch mit Herr Glasmann lief wie immer aufbauend gut ab. Die Freundlichkeit und die positive Art von Herr Glasmann brachte schneller als gedacht Gute Laune, ein ruhiges Gefühl und Gelassenheit.

Kapitel 4:

Die Flucht

Bis Abends wurde Jimmy ziemlich in Ruhe gelassen. Aber nach dem Abendessen ging der Zirkus los.
„Sie haben die ganze Nacht nicht geschlafen und verweigern die Medikamente. Ich gebe ihnen jetzt etwas.“
„Ich nehme nichts.“
„Dann müssen wir handeln!“
„So ein Zeug nehme ich nicht. Haldol macht nicht wohl, sondern hohl.“
„Ok dann muss ich handeln.“

Der Piepser wurde betätigt und der Alarm ging los. Plötzlich standen acht Menschen in bedrohlicher Haltung vor Jimmy. Da wurde Jimmy klar, entweder Fixierung oder Schlucken und Flucht.
„Ok ich nehme das Zeug, aber dann macht mir einen richtigen Cocktail, Betonung auf Cock …“
„Ich will dann Haldol, Atosil, Diazepam, Risperdal, alles was ihr habt, nur bitte kein Leponex oder Lizium. Aber ich betone, das ist Erpressung.“
Die Situation beruhigte sich. Ein Teil der Pfleger ging zurück auf die Stationen von denen sie herbeigeilt waren. Kurz darauf kam einer der Stationspfleger und überreichte Jimmy zwei Becher.
In dem einen war eine dunkle, in dem anderen eine milchige Flüssigkeit.

„Ok wie gesagt ich will das nicht, aber wenn ich dann wenigsten morgen am Frühstückstisch essen kann und nicht ins Bett, sondern ganz normal auf Toilette gehen kann, gebe ich der Erpressung nach. Geben sie her das Dreckszeug.“

Als der Pfleger gegangen war, schaute Jimmy auf die Uhr. Es war viertel vor neun. „Ok ich habe nicht viel Zeit.“
Er verbarikadierte das Zimmer mit dem Bett, indem er das Bett schräg zwischen Wand und Tür stellte und die Rollen anzog.
Danach nahm er den Esslöffel und schälte die Gummidichtung vom Fenster heraus. Hier war öfters jemand heraus gegangen, schoß es Jimmy durch den Kopf.
Es ging viel zu leicht und zu schnell. In nicht einmal 3 Minuten hatte Jimmy das Glas befreit und herausgehoben.
Als Jimmy schon halb in der Nacht war, hörte er hinter sich jemand rufen.

Jimmy rannte um sein Leben. Immer schneller …

„Mich bekommen die nicht!“

Kapitel 5:

Kalte Katze

In Straßbourg angekommen schaute sich Jimmy in Ruhe am Bahnhof um, kaufte sich einen Kaffee und setzte sich ins warme auf eine Bank. Mit seinem Sitznachbarn kam er ins Gespräch. Sein Name war Paquale. Er kam auch aus Sardignien, sagte er. Jimmy traute dem nicht ganz. Pasquale war normalerweise ein typisch neapolitanischer Name. Als er sagte er wolle kurz raus eine Kippe rauchen, fragte Pasquale, der viel länger als Jimmy auf der Straße war, ob er auch eine haben könne?

Gemeinsam stellten sie sich am Eingang, geschützt vor dem Regen, unter und rauchten. Jimmy haderte; „Soll ich mich dran klemmen oder nicht?“
Da sagte Pasquale: „Ich gehe etwas zu Essen besorgen, kommst du mit?“
Das reichte Jimmy.

Er hatte zwei Tage nicht wirklich etwas gegessen. Nach der Fahrkarte, war vom Geld nur zwei Kaffees und ein Croisant übrig geblieben. Also gingen sie in die Rue de Rempart, um die Ecke des Bahnhofs. Dort aßen sie gemeinsam. Es gab einen Eintopf, Brot und Obst. Wer wollte konnte sich von den Restbeständen am Ende für den nächsten Tag etwas mitnehmen.

Pasquale war ca 20 jahre älter als Jimmy. Seine Zähne waren schwarz und kaum noch vorhanden. Er errinnerte ihn ein bisschen an Diogenes und ein bisschen an Charlie. Trotz allem konnte er lauthals loslachen. Dies hatte auf den ausgelaugten Jimmy teilweise eine erschreckende Wirkung. „Was mach ich hier?“

Erst war die Zeit stehen geblieben und hatte ihn gleichzeitig überrannt. Dann war Jimmy derjenige der rannte. Und Urplötzlich stand er im Auge des Orkans. Windstille pur.
Die Zeit zog sich wie Gummi. Draussen war der Orkan, die Angst, die Kälte zog trotzdem in die Glieder.

Wäre er im Urlaub hier gewesen, wäre Straßbourg ein tolle Stadt. Er lief kreuz und quer über all die Brücken. Von Pasquale hatte er noch den Tip mit der Rue de Fritz-Kieniger bekommen. Dort wurde aber erst um 17h aufgemacht. Gegen viertel vor vier begegnete er wieder Ecke Rue de Zurich und Rue des Battelier Pasquale. Gemeinsam gingen sie zum Café Treff.
Ein Kaffee und eine Suppe und vor allem endlich wieder Wärme erwartete Jimmy.

Danach trennten sich die Wege vorerst.

Es war mitlerweile dunkel. Beim herumirren war ihm im Boulevard de la Victoire, am Lycee Technologique Jean Rostand ein Container aufgefallen. An der Hochschule wurde gerade etwas gebaut. „Ich schaue da später nach, ob ich da schlafen kann wenn hier keiner mehr ist.“

Als Jimmy dahin zurückkehrte war die Tür des Containers nicht verschlossen. Er hatte sich in den Vorraum hingelegt, bekam aber einen starken Hustenanfall. Da ging die Tür zum hinteren Raum einen Spalt auf. Jimmy rutschte das Herz in die Hose. Es stellte sich heraus, da war ein Pärchen, welches schon vor ihm die Idee hatte und Ihn eindringlich warnte.

Das Pochen in der Brust und der Angstschweiss ließ nur langsam nach. Jimmy war frustriert, müde und am Ende seiner Kräfte. Irgendwann ließ er sich in einen Hauseingang gleiten. Diese Nacht war wirklich die kälteste seines Lebens dachte Jimmy und schlief ein.

Wenn er nur wüsste …

Tritte weckten Ihn. Jimmy faste instinktiv nach seiner Hundemarke am Hals und mit der anderen Hand das Bein das ihn trat. Der Concierge stopte. Er verlies fluchtartig den Hauseingang, nicht aber ohne sich die Tür zu merken. „Hier gehört ein Kreis mit einem Pfeil hin und das ähnlich einem Gebirge aussehende Zeichen.“

Am Bahnhof angekommen nutzte er sein letztes Kleingeld für einen Kaffee und setzte sich auf die selbe Bank an der er Pasquale das erste mal getroffen hatte und beobachte die Menschen.
„Wenn ich jetzt schwarz nach Hause fahre komme ich so oder so wieder auf die 13.“
„Was guckt der mich so an, noch nie einen fertigen Menschen gesehen.“
„Die sieht nett aus.“
„Betteln will ich eigentlich nicht, aber ein Kaffee wäre jetzt gut.“
„Hmm, wenn ich bis abends durchhalte und mich schlafen stelle, vielleicht klappt das?“

„Ciao Jimmy, dove eri?“

Pasquale stand vor ihm. Jimmy erzählte ihm die Geschichte von der letzten Nacht und vom Morgen.

„Quando iniziano lestate vado a Madrid. Cambio Casa!
„Cosa voglio in Espagna? Non ti sei rotto dell fatto di essere sulla Strada. Io chi sono un paio di giorni facendo il cane, mi distrudge.“
„Non ho scelta. Dopo venti anni come ci pensi ritornero?“
„Perque non ci andiamo nel sud?“
„A Madrid conosco i posti.“
„E non ti ralento?“
„Se mi disturbi gia tello dico! Ai voglia del vino?“
„Vino rosso si, il bianco non mi viene.“
„Anque vizi va.“

Sie gingen nicht weit. Pasquale ging in den Laden und kam bald mit einer Flasche Rotwein heraus. Zurück am Bahnhof setzten sich beide auf ihre Bank und tranken mehr schweigend als redend, langsam, die Flasche Rotwein.

„Io sono un Idiota, ieri non ho portato niente da mangiare. Ero dinuovo gli dove abiamo mangiato, ma era tutto chiuso.“
„Apreno ogni due giorni. Doppo mangiamo tranquillo. Ti facio vedere un paio di cose.“

Zu dieser Zeit streikte die französische Bahngesellschaft. Alle Züge waren in und am Bahnhof geparkt. In der Nähe hatte Pasquale seinen Bunker. Desweiteren beherrschte er es die Türen der Wagons zu öffnen. Die erste Nacht verbrachten beide in unterschiedlichen Kabinen. Jimmy schlief unruhig und von Alpträumen geplagt. „Macht mich los ihr Wichser.“, schoss es aus seinem Mund, als Jimmy aus dem Schlaf erwachte. Paquale war schon unterwegs. Es war noch dunkel, aber am Horizont sah Jimmy schon einen Schimmer Morgenröte.

Der nächste Tag wurde durchzogen von Kälte, Laufen, 2 Kaffee und ein Croisant. Wegen der plötzlichen Flucht war Jimmy viel zu dünn angezogen, geschweige denn im Besitz einer Decke. Als Pasquale abends im Zug einen Joint baute verwarf Jimmy leichtsinnigerweise jegliche Angst. Im Schlaf geweckt überfiel Pasquale ihn.
Was dann geschah lässt der Autor absichtlich im Dunkeln.

Kapitel 7:

Brumat

Am nächsten Morgen beeilte sich Jimmy zur Rue de Fritz-Kieniger zu kommen. Duschen war angesagt. Nach dem Kaffee und einem Stück Brot hörte er draussen Lärm. Den Rucksack drinnen stehen gelassen, schaute er sich das Schauspiel an. Vor der Tagesstätte wurde gerade jemand festgenommen.

„Hmm. soll ich wieder nach Hause?, dachte Jimmy.
„Ja!“, antwortete die unsichtbare Stimme.

Um festgenommen zu werden, setzte sich Jimmy vorne ans Steuer des Polizeiautos. Hinter ihm hatte der andere und die blonde Polizistin gerade ein Gespräch. Die Handschellen klickten schneller als gedacht.
Auf der Station im Wartebereich krakelte der andere: „Pute, tu es une Pute.“

Die blonde hatte wirklich etwas. War aber eindeutig eine Nummer zu groß für Jimmy. „Kommt darauf an wie fest die mich drückt, wenn sie mich umarmt.“, dachte Jimmy, während die blonde auf dem liegenden anderen sitzend Sachen sagte, die Jimmy kaum verstand. Nur in etwa so viel: „Das hast du dir selber eingebrockt. Hör auf und sei ruhig. Du bist gleich dran.“

Die Zellen waren im Kreis mit einer Glasfront zur Mitte gebaut, keine Decke, keine Matraze, kein Holz, einfach nur Beton.

Am nächsten Morgen fragte er die Polizisten nach einem Stadtplan, erklärte ihnen die Situation und fragte ob er nach Hause könne. Das sei zu aufwendig. Den Stadtplan könne er haben und nächste Nacht solle er doch im Obdachlosenasyl übernachten.

Gesagt getan.

Gegen drei Uhr nachts stand die blonde und ihr Kollege am Bett. „Wir helfen dir.“

„Pustekuchen.“, dachte Jimmy als er in der Klinik ankam. Am ersten Tag liess man ihn in ruhe. Rauchen war nicht möglich. Am nächsten morgen offerierte man ihm ein Gespräch. Er könne sich ersteinmal Ausruhen und man organisiere alles, aber er müsse die Medikamente nehmen. Jimmy versuchte ihnen zu erklären, das genau das der Grund war, weswegen er auf die Straße gegangen sei. Er hätte genug von der Straße, aber auf Medikamente hätte er keine Lust.

„Also müssen wir sie verlegen.“

In Brumat angekommen stellte Jimmy fest, er war an einem Ort wie die 13, nur mit strengeren Regeln. Rauchen gabs unter Aufsicht morgens nach dem Frühstück im Freihgehege, nach dem Mittagessen, und Abendessen. Nach dem Kaffeetrinken wurde der Raucherraum aufgeschlossen, etwa gegen sechzehn Uhr. Es war die einzige Zeit sich mit Mitpatienten ungestört zu unterhalten. Jimmy vertraute niemandem ausser Celine, George, und der Frau mit der Zitronenlimonade.

Am 2ten Tag stand Celine völlig aufgelöst bei den Pflegern.

„Ich will keine Medikamente. Ich bin schwanger.“

„Oh mein Gott, wo bin ich hier?“, dachte Jimmy. „Ich muss hier weg. Von wegen Hilfe! Die machen nichtmal vor ungeborenen Halt.“

Nachdem Mittagessen beim Rauchen im Freigehege versuchte Jimmy abzuhauen. Die Zitronenlimonadenfrau hatte die Pflegerin abgelenkt. Jimmy sprang an den Zaun, zog sich hoch und war drüber.
Die Pflegerin hatte mehr auf den Rippen und schrie verzweifelt: „Stehenbleiben.“

Jimmy schlenderte gemütlich zur Straße und hielt den Daumen raus. Das erste Auto das kam hielt. Drinnen saß der andere Pfleger vom Dienst und sagte: „Komm steig ein. Mach keinen Blödsinn. Ich dachte du willst nach Hause?“

Wieder auf Station erklärte Jimmy die Sache mit Celine und sagte er wolle die Ärztin sprechen. Als das Gespräch zu Ende war, sicherte die Ärztin Jimmy den Heimweg zu, sagte ihm aber er müsse nun ins Loch. Sie habe keine Wahl

Die Isolierzelle hat einen kleinen Vorraum, wo sich das Klo und die Dusche befindet, der auch als Schleuse fungiert. Die innere Zelle hat eine Tür mit einem kleinen Fenster, hinter dem Tag ein Tag aus Licht brennt. In der Isolierzelle befindet sich eine Plastikmatraze und eine Plastikdecke und ein Plastiknachtopf. Wer Gummi erwartet, der wird enttäuscht sein. Bis auf die „Bettdecke“ ist hier nichts aus Gummi. Die Aussenwand ist aus Glassteinen, damit man Tagsüber nicht schlafen kann. Wie gesagt Nachts scheint Licht durch die Schleusentür. Der Boden und die Wände sind mit weissen, bis beigen Kacheln ausgestattet. Bewegungsspielraum bieten ca drei mal zwei Meter Grundfläche. Mehr als Liegestütze und vergebliche Schlafversuche sind nicht möglich.

Als Jimmy nach gefühlten drei Tagen heraus kam, fragte er nach einer Zigarette. Er müsse sich beruhigen. Wenn es ginge im Raucherraum, um zu zeigen das er genug hatte. „Nein, keine Zigarette.“
Sauer ging Jimmy auf sein Zimmer und fand im Nachtischchen eine vergessene Zigarette. „Ok, wo rauch ich die nun?“ „Ich frage nochmal.“

Als man ihm die Zigarette aus der Hand reissen wollte rannte Jimmy in die Küche. „Wenigstens zwei Züge. Die stecken mich sowieso wieder rein.“
Nach gefühlten einanhalb Wochen durfte er Duschen und heraus.

An dem Tag als endlich der Rücktransport auf die 13 stattfand wurde 10 Minuten bevor der Wagen da war, die schwangere Celine in eben jenen Raum gesperrt.

Kapitel 8:

Ein Ausflug nach Moabit

Die Tage und Nächte vergingen. Das Leben war stehen geblieben. Um Jimmy drehte sich alles scheinbar in gewohnten bahnen. Aufstehen, Kaffee trinken, die erste Zigarette, Radio anschalten, Zeitung lesen, spazieren gehen, nochmal Kaffee kochen, auf nie ankommende Anrufe warten, Gedichte schreiben, Musik hören, Musik machen, quadratische Augen bekommen, die Eltern nerven, Abend essen, ins Bett gehen, Alptraumhafte Nächte und usw und so fort.

Eines Nachts schreckte Jimmy mal wieder ein Traum auf. Er war die ganze Nacht durch ein endloses Labyrinth gelaufen und hatte den Ausgang gesucht. „Ich muss hier raus!“
Es war Ende Oktober 2006. „Wie groß soll der Spaziergang werden?“ „Hmm, am liebsten würde ich Giovanni anrufen und zu ihm fahren. Ich brauch dringend mal für ein paar Tage vier andere Wände. So dreh ich am Rad.“ Für einen Anruf war es zu spät in der Nacht, aber wenn er jetzt nicht raus ging würde alles noch schlimmer werden.

Jimmy fuhr zu erst an den Flughafen. „Erst einmal etwas essen.“ Für einen Flug war sein Konto nicht ausreichend gedeckt, aber so wie er Giovanni kannte, würde er Jimmy nicht sofort vor die Tür setzen. Dafür kannten Sie sich zu lange.

Also kaufte er sich ein Ticket zum Hauptbahnhof Berlin. Das Geld würde noch für eine Rückfahrt reichen, hatte Jimmy ausgerechnet. Es war ein sonniger, kalter, aber schöner Samstagmorgen. Gegen viertel vor sechs erreichte er Berlin. Im Hauptbahnhof, vor einer Glaswand, dachte Jimmy: „OK, jetzt ist es noch zu früh. Ich glaube, ich schaue mir mal den Bundestag solange an.“ Jimmy merkte erst jetzt, das hinter der Glaswand, wo er übermüdet ins Leere starte, bei dem Gedanken, ein Polizist am Computer saß und irritiert ihn anschaute.

Nun kam der auch noch heraus. „Was will denn der jetzt?“

„Guten Tag, kommen Sie mal bitte mit.“
„Guten Morgen, ist etwas passiert.“
„Das sehen wir gleich.“
„Och nö, was soll das jetzt?“

Drinnen wurde Jimmys Rucksack durchsucht und die Papiere kontrolliert. Dabei wurde ein Mini-Krümel Haschisch, in der Größe einer Fingerkuppe des kleinen Fingers von Jimmy, mit einem Schätzgewicht von 0,1 bis 0,3 Gramm gefunden. Jimmy hatte eigentlich schon 2 Monate vorher aufgehört. „Ich Idiot!“ Komischerweise war er nur der Meinung damals gewesen: „Wegschmeißen? Och nö. Mann weiß nie.“

„Ok, kommen Sie bitte mit.“

Jimmy kam in die Arestzelle. Nach 5 Minuten und gefühlter halber Stunde, wurde Jimmy bewusst, das er dringend aufs Klo musste. Also klingelte er am Notschalter.

„Was gibts?“
„Ich muß aufs Klo. Bitte. Dringend.“
„Geht jetzt nicht.“

„OK, dann pinkel ich in den leeren Becher. Aber ich weiß nicht, ob der reicht?“

Jimmy hatte während der Durchsuchung einen Becher Wasser bekommen. Dieser reichte ganz Knapp, aber ein paar Tropfen gingen daneben.“

Jimmy klingelte nocheinmal.

„Also der Becher ist voll, aber ich muß wirklich, DRINGEND!!!“

Die Tür ging auf.

„Schmeissen Sie den Becher hier in den Müll.“
„Da ist Pisse drin. Ich sagte doch ich muß dringend.“
„Schmeißen Sie den Becher jetzt dahin und kommen Sie mit.“

Auf der Fahrt hörte er den Fahrer über Funk durchgeben: „Ich hab hier einen Strobel.“ Was das sein soll weiß Jimmy heute noch nicht.

In Moabit, Turmstraße 21 angekommen, stellte Jimmy fest: „Och nö, nicht schon wieder. Irgendwas müssen die an mir gefressen haben.“

Sie fuhren mit dem Aufzug nach oben. Die Station hatte glaube ich die Nummer 10, aber sicher bin ich mir nicht mehr. Geraucht wurde auf dem vergitterten Balkon, mit Ausblick auf das Berühmte Gefängnis. Um ein bißchen vorzugreifen, 6 Monate später flatterte eine Rechnung für eine Reinigung einer Arestzelle über 50 Euro herein. Das sollte der Leser im Hinterkopf behalten beim nächsten Kapitel.

Kapitel 9:

Eine Nacht am Alex

Vom Zimmer konnte Jimmy den Fernsehturm sehen. Es waren nur 8 andere auf Station. Conny, Maria, Chris, Haschim, Bejan, die Frau mit der Partylaune, der Rocker mit der Lederjacke und der Stumme. Der Stumme war nicht wirklich stumm, wollte aber mit Jimmy nicht wirklich reden. Haschim überedete Jimmy mit ihm zu beten. Bejan wipte den lieben langen Tag im sitzen mit den Knien, was Jimmy tierisch nervös machte.

Als Jimmy am zweiten Tag in den Aufenthaltstraum kam hörte er Maria zu Conny sagen: „Du bist aber schlau.“ und sah sie, auf dem Absatz umdrehend, ins Zimmer verschwinden. Von drinnen Tönte die ganze Zeit irgend ein Lied von Robbie Williams in einer Endlosschleife und unregelmäßigen Hängern. Jimmy wipte im Takt der Hänger der CD und dachte: „Komm, spiele es endlich zu Ende.“

Vor dem Ausgang stand ein Pfleger und zählte durch. Jimmy gesellte sich zu den wartenden und fragte: „Darf ich auch einmal kurz raus, ich würde mir gerne Zigaretten holen.“
Der Pfleger antwortete: „Nur die Guten kommen in den Garten.“

Am nächsten Tag das selbe Spiel. Genauso am übernächsten Tag.

Jimmy ging in den Essraum. „Ich spiel gleich Polterabend.“, mit einem Stapel Tellern in der Hand. „Ich bin nun 3 Tage hier und habe keinen Arzt, Richter oder sonstwen gesehen, ich will jetzt mit jemanden sprechen!“
„Der Arzt ist nicht im Haus. Ich verspreche Ihnen morgen können Sie.“
„Wenn das nicht stimmt spiele ich Polterabend.“

Am nächsten Tag durfte Jimmy nach dem Gespräch mit dem Arzt raus. Jimmy kaufte sich eine Pizza und Zigaretten und fuhr nach dem Verzerr der Pizza zum Hauptbahnhof und ging zur besagten Polizeistation. Durch die Vitrine konnte Jimmy erkennen, der besagte Polizist war nicht da. „Naja, ich komme wieder, ich will von dem Wissen was das soll. Ich werde ganz höflich fragen. So wie er. Ich werde auch ganz lieb Bitte sagen. Aber der soll mir sagen was dieses omnipotente Verhalten soll?“

Jimmy fuhr zurück zur Klinik und kam 15 Minuten zu spät. „Die Pizza hat solange gedauert.“, log Jimmy. „Ist schon gut, kommen Sie rein.“

Am nächsten Tag ging Jimmy wieder dahin. Der besagte Polizist war wieder nicht da. „OK, ich frage trotzdem.“ “

„Entschuldigung, ich kann Ihnen leider nicht weiterhelfen. Ich könnte nachschauen, aber ich kenne Ihren Fall nicht.“
„Ist schon gut, ich komme morgen wieder.“

Den darauf folgenden Tag, selbes Spiel: „Der hat wohl Urlaub.“, dachte Jimmy und setzte sich enttäuscht an die Bushaltestelle. Es war mitlerweile 18 Uhr, als Jimmy mit dem grübeln aufgehört hatte. „Jetzt bin ich 2 Stunden zu spät, jetzt kann ich mir auch Berlin anschauen.“

Die Nacht war am hereinbrechen. Die erste Station war das Dach vom Bundestag.

Er spielte mit dem Gedanken, am Eingang des Restaurant auf dem Dach, Türsteher zu spielen. Nach dem Motto: „Entschuldigung, das Restaurant hat heute geschlossen. Geschlossene Gesellschaft, wie immer. Und Nein, mein Name ist nicht Karlson vom Dach, auch wenn ich so aussehe nur 15 Jahre älter.“ Unten angekommen packte es ihn doch. Er stieg in eins der parkenden Limousinen ein und sagte: „Einmal ins Ritz, bitte. Und lassen sie den Champus kalt stellen. Die Angie kommt auch gleich.“ Die Chaufeuse schaute Jimmy entgeistert an. „Die kennt den Weg anscheinend noch nicht einmal. Ich glaube ich nehme das nächste Taxi.“, dachte Jimmy und stieg aus.

Er kaufte sich eine Tageskarte und stieg „Unter den Linden“ in die U-Bahn. Am Alex stieg er aus. „Und das soll so Toll sein. Ein Phallussymbol für Größenwahnsinnige.“

Irgendwann im laufe der Nacht kam er am Rosis an, wie er heute weiß. Es lief Drum & Bass. „OK, so ganz falsch bin ich hier nicht, aber die Medies schlagen langsam an. Ich muß etwas essen.“

Ein paar Straßen weiter war ein schönes gemütliches Lokal. „Hätte ich eine Freundin, würde ich sie hier einladen.“ In Ruhe aß Jimmy etwas vegetarisches, trank dazu einen Weißwein und einen Kaffee zum Abschluss. Während dem Essen hatte Jimmy entschieden zurück in die Klinik zum schlafen zu fahren.

„Wo kommen Sie denn her. Wir haben uns Sorgen gemacht.“
„Ich war Ausspannen, dafür bin ich eigentlich nach Berlin. Ich habe aber nur ein Bier getrunken, also keine Sorge. Alles OK.“

Auf dem Balkon traf er den Rocker dessen Namen Jimmy bis heute weiß, aber nicht verraten will. Gemeinsam rauchten Sie eine Zigarette und hatten ein nettes Gespräch.

Wie immer verschlief Jimmy das Frühstück, diesmal aber eindeutig. Gegen Mittag stand Jimmy auf, aß schnell etwas und folgte Haschim und Bejan.

Sie gingen in die Nähe in eine Wohnung. Jimmy blieb im Flur stehen. Nach kurzer Zeit kamen die anderen beiden wieder und sagten: „Auf komm wir gehen. Ich muß dir etwas zeigen.“
An einem winzigen Friedhof angekommen begann Haschim eine Tüte zu bauen. „Also, wenn ich das jetzt mache fahre ich wieder einen Film.“ Aber schon hatte Haschim ihm das Ding hingestreckt. Während Jimmy den zweiten Zug nahm, sah er Bejan im Augenwinkel zwischen den Gräbern laufen. Indem Moment bereute es Jimmy zu tiefst und schwor sich: „NIE NIE NIE NIE NIE WIEDER.“ Hastig drückte er Haschim das Ding zurück in die Hand.

Als Jimmy zurück auf Station ankam sagte der Pfleger: „Es hat jemand für dich angerufen.“

„Wer denn? Es weiß niemand das ich hier bin.“
„Deine Mutter, du sollst zurück rufen.“

Als Jimmy zurück rief, erfuhr er, seine Cousine war gerade gestorben.

„NIE NIE NIE NIE WIEDER !!!“, hallte es in Jimmys Kopf, als er den Raucherraum betrat.

Chris fragte: „Was ist los?“

Als Chris die Worte aus Jimmy herausbekam, die so schwehr daher kamen, sagte er: „Warte einen Moment.“, und kam mit jenem Text wieder:

Körperwörter

Am Anfang stand ein Wort, dass eigentlich ein Doppelwort war.
Die Aufgabe des Wortes war eine einzige … die Hülle für ein anderes Wort sein,
es beschützen, es umarmen, es fest halten, es lieben.
Dieses andere Wort war Seele. Tief in diesem einen Wort war ein weiteres Wort.
Dieses Wort war Ich.

Doch aus einem Ich wurden mehrere. Am Anfang war alles noch im Lot.
Am Lot pendelten diese Ichs in jener Reihenfolge:

Über-Über-Ich
Über-Ich
Ich

Darunter war noch ein Ich, welches sich aber unter dem Namen Unterbewusstsein tarnte.

Irgendwann pendelten die Ichs so stark, dass das Lot plötzlich riss.
Dadurch verloren sie an Halt. Sie verloren den Ankerpunkt nachdem sie alles ausrichteten,
auch sich selbst.
In Panik und vollkommen orientierungslos rannten sie in alle Richtungen auseinander …
und zerrissen den letzten Rest, der sie zussammenhielt.

Nun schrien alle: “Wie komme ich wieder ins Lot?
Wie flicke ich eine zerissene und orientierungslose Seele?

Aus dem Wort, was am Anfang stand, wurden viele.
Aus Körperwort, wurde Körperwörter.

Es wartete viel Arbeit auf diese Körperwörter.

Die Wörter, die in meinem Körper Leben;
zuerst spür ich sie meist in meinem Bauch sich regen, nicht alle,
einige bleiben am Blinddarm kleben,
die anderen wandern gemächlich über die Brust zur Stirn,
um sich dann, dort, jenachdem – festzusetzen – einzunisten unter meinem Schopf,
in meinem Kopf,
in meinem Hirn.

Die Wörter, die in meinem Körper Leben,
die sich auch in Richtung Herz bewegen,
nie sind sie still,
immer müssen sie nach Freiheit streben.

Sind sie aufdringlich,
versuche ich sie zu zerreden,
doch sie wehren sich dagegen,

indem sie wie Wirbelstürme über meine Kopfhaut fegen – um mich herum schweben,
sich ab und an, auf meine Zunge legen,
die Wörter, die in meinem Körper leben.

Sie hatten viel zu tuen. Irgendwie waren sie zu bedauern.
“Sisyphos müssen wir uns als einen glücklichen Menschen vorstellen.”

Und noch heute sind sie nicht fertig alles in Ordnung zu bringen.

Hoffen wir, dass sie es irgendwann einmal schaffen werden.

„Danke !!!“

Daraufhin rezitierte Chris folgendes:

Normal genug um Schizophren zu sein
Unsere Liebe ist ein Vorwurf
unsere Leere ist ein Spiegel
wir geben kein Geheimnis preis
und niemals Brief und Siegel

Unsere Tränen sind aus Stahl
und unsere Fäuste aus Wachs
in Konspirativem Willen trinken wir Äther zu falschem Lachs

Unser Traumschloss fest verankert wohnen wir in der Flucht
unsere Sehnsucht wird die Heimkehr sein zu jeder Daseinssucht

Normal genug um Schizophren zu sein
Unsere Liebe ist ein Vorwurf
Unsere Leere ist ein Spiegel
Wir geben kein Geheimnis preis
Und niemals Brief und Siegel

FORTZETZUNG FOLGT …

Wenn die Diagnosefähigkeit schon durch das Rosenhan-Experiment in Frage gestellt wurde, stellt sich die Frage, was herdengetriebene Subjektivität mit Stigmatisierung zu tun hat, wenn schon seit Jahren die Krise(n) überwunden ist/sind und eine Klasse in schallendem Gelächter ausbricht bei dem Wort Psychiatrie. Der Alltagsrassismus findet auch in Worten, wie „Schwuchtel“ immer wieder statt. Projekte, wie Ver-rückt Na Und sollten vermehrt stattfinden, um eine Gemeinschaft auf gegenseitige Augenhöhe zu ermöglichen, die nicht durch ausgrenzenden, stigmatisierenden und beherrschen des, beziehungsweise der Normalen auseinanderdivergiert.

Meine Mutter sagte immer: „Ich habe keine Vorurteile, sondern Erfahrungswerte.“
Darauf fiel mir meist nicht mehr ein, als: „Du mich auch.“

Man kann hochgestochen beleidigen und absolut stumpfsinnig zumindest der gefühlten Wahrheit Ausdruck verleihen.

Warum bringe ich das Rosenhan-Experiment mit Stigmatisierung in einem Satz?

Subjektivität ist so normal geworden, dass man sie mit Allgemeingültigkeit und Normalität in Verbindung bringt.
Wenn Psychiater schon oft daneben liegen, wie verhält es sich dann mit mir und mit Ihnen?

Gibt es keinen ihrer Bekannten, den oder die Sie nicht erst auf den zweiten Blick schätzen gelernt haben?

Wenn sie die rhetorische Implikation verstehen oder gar erlebt haben, besitzen Sie den Ausgangspunkt für eine Annäherung, von mir aus auch, ans Unbekannte.
Da es meiner Meinung nach mehr Menschen gibt, die diese Vorraussetzung erfüllen, als man denkt … sollte eigentlich Hoffnung bestehen.

Machen Sie das beste daraus!

Lino_PC – BANDSALAT by Lino_Casu on Mixcloud

2 tage der besinnung sind nun vorbei
trudel früh morgens heim
mit einer “le Monde diplomatique” in der hand
und wirren gedanken im kopf

nüchtern stellt (kind/mutter/vater/frau/mann/mensch/…) fest
“magen ist voll, kopf ist leer”

warum ist alles so seltsam ?
so durchschaubar und doch vernebelt?
liebt mich mein aschenbäscher ?

warum bin ich am 24.12.1978 um 23h42 geboren ?
was ist das wort ?
für einen moment, vieleicht nur ein bruchteil,
von einem bruchteil, dessen bruchteil, bruchteils,
nichts, leere, stille, ruhe

war das ein gedanke?
bin ich?
warum?

schlage die zeitung, die ich in der hand habe auf,
und lese den erstbesten satz:
“Die Einbildungskraft wird im Körperofen sehr hoch erhitzt,
bis alles mögliche geglaubt und alles bisher Unmögliche getan wird.”

… oben steht: “Das Wort, als Fleisch verkleidet
Elfriede Jelinek über Sprache, Preise und Einbildungskraft

schaue in meinen Aschenbäscher
“liebst du mich ?”
fange an den nikotinhaltigen lungenprügel auszupacken
“liebst du mich ?”

schnappe mein feuerzauberzauberspeicher
“burn baby … jeah … burn baby”

“hmm war spät gestern”
ächtzt es durch mein inneres

meine hand ergreift ungefragt die feder
und beginnt in kontzentrischen kreisen
sich einem schriftähnlichen gebilde zu nähern

“was mache ich ?”

“Die Sprache krümmt sich verzweifelt unter ihren eigenen Begriffen,
weil sie sich selbst auch einmal im Spiegel anschauen möchte.”
ich klappe die zeitung zu… “ach ist es schön zu lesen und dabei seine lunge zu prügeln”

… ”

Was ist eine Schublade?

Wie ist der Begriff Rompiscattole ins deutsche zu übersetzen?
wörtliche übersetzung : Schubladenzerstörer
freie übersetzung : Nervensäge
Und muß ich ihn auf andere münzen oder auf mich selber?

Sind der Relativität Grenzen gesetzt?

Wenn der Weg das Ziel ist, bin ich ihn schon gegangen?

Warum darf ich das, was sie als Psychose deklarieren, nicht ausleben?

ES GIBT NORMAL NICHT OHNE EINE ZWECKGEBUNDENE INTENTION

DIE DEM IN EINEM WORT REDUZIERTEM ZUSTAND VORRAUS GING

ICH LASSE MICH NICHT AUF EINE NORMALKONSTANTE FREIWILLIG REDUZIEREN

Wer ist eine Gefahr, ich für die Gesellschat oder die Gesellschaft für mich?

Warum spielt die Statistik im Psychologiestudium so eine große Rolle?

Warum hat mich kein Psychiater oder Psychologe je danach gefragt,
warum ich was oder wie tat und dann gegebenenfalls jene in Frage gestellt oder zumindest Punkte aus meinem Leben als Basis genommen für eine Diskussion?

Warum ist die Diagnose schizoaffektive Psychose keine Infragestellung meiner selbst?

Warum wurde ich fixiert?

oder ?

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  • mögliche Antwort *
    Weil ich durch eine gewisse Grundeinstellung Gefahr laufe gewisse Toleranzgrenzen,
    der Gesellschaft zu überschreiten.
  • mögliche Antwort *

meine letzte Fixierung

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wer ist der wahrheit näher? der/diejenige, der eine fixierung erfahren hat oder der/diejenige der es tut?
woraus nimmst du das recht dich über andere zu erheben, um sie zu unterdrücken?

du bezeichnest es als dummheit, wenn man es nicht tut. doch wo ist dein horizont?

wo ist meine willensfähigkeit eingeschränkt, wenn es mich nur anwiedert, wie du deine eigenen komplexe durch unterdrückung anderer zu kompensieren versuchst?

warum willst du damit nix zu tun haben, wenn du derjenige bist, der durch seine ignoranz es erst ermöglicht?

was würdest du machen, wenn du derjenige wärst, den man so behandelt hätte/würde?

der fragende mensch ist nicht zu deiner belustigung da!

derjenige der glaubt alle antworten zu haben, warum kann der nicht sagen woher er sie hat?

man kann viel behaupten, wenn der tag lang ist!!!

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Arbeitet sich der Psychiater / Psychologe an mir oder ich an ihm ab?

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Was ist Selbstreflexion?
Wann besitzt ein Mensch genügend selbstreflektorisches Potenzial,
um als Gesund eingestufft zu werden?
Was ist Gesund?
Was ist gesunder Menschenverstand?
Für wen ist es/er Gesund?
Für mich oder für dich?

Was sind Negative Gefühle?
Was ist Negativ?
Was ist Positiv?

Was hat Kontrolle mit dem einsortieren in eine Schublade zu tuen?
Was ist, wenn sich die Mehrheit irren kann?
Wer muß sich in Frage stellen?

Ab wann ist etwas unlogisch?

Ab wann ist jemand, der sich als Realist bezeichnet anmaßend?

Ist die Sprache, der Ursprung unseres jetzigen Denkens und Handelns?

Wo fängt das Wissen an und Wo hört es auf?

Verrückt von Wo?!

Was ist, wenn ich sage, alles ist richtig und doch nicht?

“Bist du Allah, bist du Gott und wenn ihr beide da oben seid, seid ihr dann Kumpels oder haut ihr euch manchmal in die Fresse? Hallo? Hallo, was ist jetzt?”

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Sind wir nicht alle auf einer Reise, mit dem eigentlichen Wunsch,
zum Ursprung aller unserer Dinge zurückzukehren?
Und wenn nicht, auf welcher Reise sind wir dann?

Wenn ein Schauspieler sich in alle möglichen Rollen hineinfügen kann
und sich doch nur für eine entscheidet, macht dann diese Rolle sie gleich zu seiner Lieblingsrolle?

Habe ich das Münchhausensyndrom, wenn ich auf einer Kanonenkugel sitze und auf den Aufprall warte?

Was habe ich, was eine Weiterbehandlung rechtfertigt?

warum ?

warum durfte ich das kind sehen?
in mir und in dir?
warum durfte ich den mensch sehen?
in dir und in mir?
warum durfte ich das leben sehen?
in dir und in mir?
warum durfte ich?

warum hast du mir nicht das messer aus der hand genommen?

Punkte …

ich bin so gut … wie ich gut bin
ich bin so böse … wie ich böse bin
ich bin so schlecht … wie ich schlecht bin

ich bin so jung … wie ich jung bin
ich bin so alt … wie ich alt bin
ich bin

ich bin so dumm … wie ich dumm bin
ich bin so schlau … wie ich schlau bin
ich bin

ich bin so lebendig … wie ich lebendig bin
ich bin so tot … wie ich tot bin
ich bin

… ich bin so

wie nah?

wie nah willst du schauen ?
nah von aussen ?
nah von innen ?
nah von überall ?
nah von nirgendwo ?
nah von irgendwo ?
wie nah willst du schauen ?

Kreise kreiseln um greise Kreise

sie öffnen sich
und schliessen sich
und waren nie mehr gesehen

doch tauchen sie auch wieder auf
im endlichen
um der unendlichkeit eine form zu geben

… !?

IM UND EX PLOSION WAREN SICH MAL SPINNEND FREUD

ICH BIN DAS NIE DAS EINMAL RAM WAR

WILLKOMMEN IN ES LACH UND SCHIES GESELLSCHAFT

WO DIE WURST KEIN ANFANG HAT IST UNKLAR AUCH KEIN ENTE

DIE ABSURDITÄT DES NORMALEN ENTSPRINGT AUS DER ANNAHME,
DASS IM < gleichgewicht DER DINGE /?oder?/ ;ENDLICHEN >

DIE KRAFT LÄGE RAUM UND ZEIT ZU ÜBERDAUERN,
OHNE ZU BEDAUERN,
DEM ENDLICHEN EIN DASEIN ZU ERMÖGLICHEN.

DANKE DAS DU MIR EIN BISSCHEN DEINER ZEIT GESCHENKT HAST

Epilog: Räuberpistole NEIN Danke !!!

Worte können manchmal das ein oder andere verschleiern, für einen Moment die Luft die einem den Atem raubt anhalten. Im Wiederspruch gefangen, von außen nur das gesehen, was die eigene Vorstellungskraft erlaubt, geurteilt, vor- und nach- geurteilt, immer besser wissend, ohne selber jemals dort gewesen zu sein, erreicht der Schrei in den Wind nur den, den man eigentlich nicht meint.

Wenn ich schreibe „Fortsetzung folgt“, so will ich zeigen, dass wenn man nicht aufhört zu drücken den wunden Punkt, desjenigen, der festgebunden, so sediert, dass er nur noch brabbeln kann, innerlich nach dem Tode schreiend, weil die Hoffnung diese Folter nicht mehr ertragen zu müssen unerreichbar scheint.Punkt und Punkt Punkt Punkt.
Des Öfteren vor meinem inneren Auge die Schatten ich seh, im Traum es wieder erleb, und deshalb sprech vom Radebrech, weil kein Wort es kann beschreiben, was es bedeutet das Gefühl zu haben innerlich ermordet worden zu sein.

Wie Sie als Leser erkannt haben werden, ist Jimmy nicht mein wirklicher Name.
Die Wahrheit ist, ich habe versucht mich einem Blick von außen zu nähern, mit dem Verändern der Namen die Mitpatienten zu schützen, für mich selbst aufgeschrieben, an was ich mich noch errinere, was mir selbst erfahren ist.

Wer bin ich nun?

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Für mich selbst bin ich vieles, was ich für andere nicht bin.
Im Grunde kann und möchte ich die Frage nicht beantworten.
Der Wahrheit kann man sich manchmal nur annähern, bis der Schmerz zu heftig wird, als das es für mich ertragbar wäre.

Soweit mir möglich könnte ich aufzählen, was ich gemacht und vor allem nicht gemacht habe.
Glauben wo ich wirklich geholfen habe etwas Wertvolles zu erschaffen verlange ich schon lange nicht mehr.
Früher war es für mich wichtig von anderen zu hören, dass es ihnen nicht buchstäblich am Allerwertesten vorbeigeht, dass aus mir etwas anderes hätte werden können, als ein einsamer, verbitterter, jammernder, bellender, um Aufmerksamkeit heischender, exgenialer, unverstandener, in ein tiefes Loch gefallener, sich als verlorener unter vielen oft fühlender, bald 37er, psychiatrisierter, ehemals selber Psychologievorlesungen besuchender, in einer Psychiatrie arbeiten wollender, Gedanken, Menschen liebender, eigentlich einfach zu nehmender, sich als normal wahrgenommen zu werden wünschender, Mann, der weil er sich so oft zurückgezogen hat, auf die Idee kam, wenigstens ein paar Worte festzuhalten, wenn er schon nicht sich selbst, die glückliche Zukunft vor Augen, und das Leben für welches er einfach zu feige war, festhalten konnte.
Ich möchte nur noch auf meinen letzten Besuch auf der 13.2 und den auf derselben Station stattgefunden Aufenthalt kurz zurückblicken, um damit zum Schluss zu kommen, vielleicht nur vorerst.
Desweilen wird mir bestimmt wieder das verlangen kommen, das ein oder andere festzuhalten.
Doch da ich vorhabe diesen Text auszudrucken oder gar vielleicht in Buchform zu pressen, verabschiede ich mich schon jetzt von Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser.

Warum „Räuberpistole NEIN Danke!“?

Ich hätte auch einfach nur schreiben können „Epilog“.

Doch wollte ich von vornherein klarstellen, dass zumindest in meinen als schizophren diagnostizierten Augen, es der Wahrheit ähnelt und nicht einfach irgendeine Räuberpistole ist.
In meinem Leben sind mir 6 Pistolen begegnet und damit meine ich nicht dahingeschossene Worte in die Luft oder auf Papier.

Die erste Pistole sah ich bewusst von nahem Silvester 1997.

Doch muss ich ein bisschen zurückgreifen.

Schon im Kindergarten stand ich meist außen, die anderen beobachtend.
So sehr, dass die Kindergärtnerinnen meine Eltern ansprachen, ob ich nicht vielleicht Autist sei.

In der Nähe des Kindergartens wohnte ein alter Mann, in der ganzen Stadt als Krämerwilli bekannt, immer einen Stock dabei, in sich gekehrt, still die Straße lang laufend, sehe ich ihn noch heute.
Wir Kinder wussten nur eins, wenn er vorbei kam und man nur leise sagte: „ Hey Willi, die Russe kommen.“, dass der Stock weniger eine Gehilfe war, als ein Drohwerkzeug sich die anderen vom Leib zu halten.
Willi hatte im Krieg nur knapp einen Bombenangriff überlebt.
Wir Kinder konnten uns nicht vorstellen, was so etwas aus einem Menschen machen kann.
Wir wussten nur, dass so klein wir waren, einem alten, hilflosen, traumatisierten stadtbekannten „Dorfdepp“ so viel Angst einjagen konnten, dass er sich vergaß.

Heute bin ich der Dorfdepp.

Aber zurück zum alten Mann und der Pistole…

Irgendwann hatten wir es übertrieben und der alte mit dem Stock, kam diesmal nicht nur mit dem Stock, sondern im Beisein einer Pistole in den Kindergarten.
Ich sagte ich habe 1997 „bewusst“! meine erste Pistole gesehen.

Dies liegt daran, dass mich das Handgemenge meines Vaters, eines anderen Vaters und dem Dorfdepp so sprachlos gemacht hat, dass ich es lange verdrängt habe. Eigentlich war dies die erste Pistole vor der ich Angst hatte.

Die zweite sah ich bewusst Silvester 1997. Es war eine Deagle in exklusiver Silber- und Goldversion.
In Kelsterbach gab es einen Partykeller mit echten Flugzeugsitzen.
Dort hatte ich mich selber und einen Freund eingeladen. Da ich mich nicht mehr genau erinnerte, wo genau dies sei, haben wir eineinhalb Stunden gebraucht, die richtigen 1,5 Kilometer zu laufen.
Dort angekommen dröhnten wir uns erst einmal richtig zu, köpften den billigen Fusel, bis wir oder zumindest ich, total dicht bis oben hin, im Flugzeugsessel um halb zwölf zwischen „schlaf ich nun?“ oder „raff ich mich nun auf und schau den anderen beim knallen zu?“ entschied und mich erhob und hochwankte.
Von innen sah ich durch die Tür jemand mit einer Deagle hantieren. Vom Ballerspielen bekannt, total stoned, krabelte mir beim Gedanken der Echtheit dieser Waffe, das was ich nur als kalte Katze bezeichne den Rücken hoch.
Dann „Peng. Peng. Peng. …“, bis das Magazin alle war.
„Fuck! So ein Scheiß. Den Schreck hab ich wirklich NICHT gebraucht. Wie Quäle ich mich jetzt nach Hause?“

Bis heute hasse ich jedes knallende Geräusch und kann kein Verständnis fürs Böllern, Ballern, Bellen zustande bringen.

Die Gruppe Roy Paci e Aretruska hat ein Lied über Schockpolitik gemacht.

Wenn ich Erwachsene sehe, die Kinder anbellen, schocken und so weiter, würde ich am liebsten ausholen und gepfeffert, dem jeweiligen alten meist männlichen Ignoranten so eine knallen, damit auch er endlich kapiert, das Schock und Schmerz nie und nimmer witzig werden, so viel Sarkasmus und Lachen er auch selber mag.

Das Kind hat immer Besseres verdient als Angst. Es reicht wenn ich sie hatte.
Wünschen tue ich es niemand.

Selbst wenn mich keine Kugel getroffen hat, der Schock des unerwarteten, berührt mich selbst heute beim Niederschreiben.

Der nächsten Pistole begegnete ich eine Woche bevor mir meine erste feste Freundin beichtete mit dem Besitzer eben jener seit drei Wochen mehr zu tun zu haben, als ich da schon ahnte.
Ahnend, dass da etwas lief deutete ich demjenigen, dem ich Heim, ein Ohr und das Versprechen geliehen hatte, ihm bei der Flucht vor seinem aggressiven Vater und trinkenden Mutter zu helfen, jenen Verdacht an.
Kurz bevor ich es auf den Punkt brachte unterbrach er mich und sagte: „Moment, bevor du weiter redest, zeige ich dir etwas.“ Hinter seinem Bett holte er ein Luftgewehr und eine Pistole hervor. Eine Woche später nackt im Bett sagte sie, nachdem sie es gebeichtet hatte:
„Aber das Auto deiner Eltern leihst du dir trotzdem, um uns bei dem Umzug zu helfen?“
Ich sagte nur: „Fick dich selber!“, und lies sie nackt alleine auf meinem Bett zurück.

Der nächsten Pistole begegnete ich auf der Station 13.2 .
Nach der ersten Nacht, mit Hilfe von Diazepam und anderen Downern, fiel mir nach dem Wanken aus dem Bett, nach sechzehn Stunden Schlaf, beim Vorbeigehen, im Pausenzimmer der Pfleger eine „Art“ Pistole auf.
Der Griff war dunkelbraun bis schwarz. Der Lauf war kurz, rot und ungewöhnlich breit.
Innerhalb des Laufs an zwei Seiten beweglich befestigt, glitzerte es silbern. Mich dieses Ding anschauend der Pfleger um die Ecke kam und mit bestimmender Stimme sagte: „Gehen sie weiter!“
Auf die Frage: „Wofür brauchen sie das?“ Keine Antwort.

Zwischenzeitlich daheim, ein Freund mir die Geschichte des erschossenen Kampfsportlehrers, der ihm helfen wollte aggressiven Drogenhändler davon zu überzeugen, ihn in Ruhe zu lassen, erzählte, als wir gegenseitig die Gründe unserer Urangst versuchten zu erklären.

Kurz vor dem nächsten und hoffentlich letzten Besuch auf der 13.x, praktisch kurz vor der Fahrt dahin, griff eine der beiden Polizistinnen ans Halfter, als ich verschnupft nach einem Taschentuch griff, wohlwissend, dass in eine enge Jeans keine Pistole passt, am Küchentisch meiner Eltern, und bellte: „Hände wo ich sie sehe!“
Zu Hause, meine herzkranke Mutter sitzend, mein Vater sitzend, ich übermüdet und vom Rumpelstilzchen spielen außer Atem, nur nach einem Taschentuch greifend, mussten, entschuldigen sie die Wortwahl, diese zwei Dorfnutten in Uniform nicht nur mir, sondern auch meiner Mutter, unnötig Angst machen, weil ich vor Albträumen mal wieder nicht schlafen konnte und übermüdet, entnervt zu laut gewesen bin, weil mir eine Fliege bei den Kopfschmerzen wie ein Elefant vorkam.

Der Pfleger dem ich mich auf der 13.2 anvertraute sagte bei meinem Gehen:
„Ich hoffe im Guten, dass wir uns HIER nie mehr wiedersehen werden.“
Beinahe hätte ich gesagt:
„Auf Wiedersehen.“
Im letzten Moment, beim bisher letzten Besuch in solch einem Hause, sagte ich:
„Danke und wo anders immer gerne wiedersehen.“
Dabei meinte ich eigentlich:
„Danke und falls wir uns einmal wiedersehen gebe ich ein Bier aus. ENDLICH FREI!“

Nur noch eins …

Die letzten Zeilen widme ich meinem kleinen großen Bruder.
Ohne dich und ohne das ich gesehen habe, wie du anders, trotz so einen Idioten wie mich zum Bruder zu haben, dein Leben mal mehr, mal weniger und doch am Ende immer meisterst, wäre nichts von dem geschriebenen hier zu lesen.

In tiefer Dankbarkeit
Danke, dass es dich gibt!

Natürlich gilt dies auch für all jene die wirklich da waren, wenn alle anderen, denen ich eh immer egal war, nicht da waren.

Lelle, Simone, Nicole, Dissy, Guido, Gigetto, Gigi, Pino, Luca, Hubert, Rolf, Franco, Anna, Johannes, Zacka, … nur um ein paar aufzuzählen.

Am Ende war es vor allem meine Familie und die echten wahren Menschen, denen ich wirklich etwas bedeute, zumindest bedeuten muss (noch bin ich nicht endgültig zum Teufel gejagt worden), die mir aus dem Loch geholfen haben.

Vor allem drei Frauen möchte ich besonders danken:
Dissy, Simone und Nicole

Und auch nicht jeder Psychiater oder Auszubildende in der Psychiatrie ist ein Arschloch. Ich hoffe das merkt man den letzten Zeilen an.

Trotz allem wären mir ein paar Tiefschläge, wie z.B. die Fixierung am letzten Geburtstag meiner Oma erspart geblieben, wäre mein heutiger Blick zurück wohlwollender in manchen Momenten.
Keine Angst, ich bin immer noch in Behandlung. Meine Psychologin ist schwer in Ordnung. Daran könnte sich manch einer, vor allem mancher mir begegneten Psychiater eine dicke Scheibe abschneiden.

Der Rest ist und bleibt hoffentlich privat.

Den vielen ungefragten Kommentatoren möchte ich beim Weggehen auf meiner jetzigen neuen Reise aus voller Ehrlichkeit zurufen:

„Leckt mich am Arsch! Kümmert euch um euren eigenen Scheiß und lasst mich in Frieden!“

An eurer Stelle würde ich mich schämen. Schon blöd genug von mir mich auch für Sachen geschämt zu haben die ich selber nicht begangen habe, diese ganze Scheiße mitgemacht zu haben, etliche schlaflose Nächte gehabt zu haben, weil ich im Kindergaten über den Zaun gerufen habe:

„Hey Willi, die Russen kommen!“

Und glaubt mir, mittlerweile ist mir auch schon der ein oder andere russische Liebesfilm untergekommen. Auch die Russen können kommen.

Man kann jeden noch so lieb gemeinten Brief zerpflücken, umdeuten und in jeden Nebensatz reininterpretieren meist was man oder frau am naheliegensten hält. Glaubt mir, damals wusste ich noch nicht einmal, dass ich auch selber kommen kann.

In den Momenten wo man merkt, es ist egal wie angepasst oder nicht angepasst man denkt, es gibt immer jemand der sich seinen Hals verrenkt, denk zumindest ich immer wieder an den Witz mit der Taube.

Standen einmal zwei Statuen seit Äonen auf einem einsamen Platz. Kam ein Engel vorbei und belebte die beiden und sagte: „Ihr habt 15 Minuten Zeit, das zu tun, was Ihr immer schon einmal tun wolltet.“ Darauf verschwanden die männliche und die weibliche Taube hinter einem Busch. Nach 7 Minuten kamen beide freudestrahlend zurück. Da sagte der Engel: „Wenn Ihr wollt, könnt ihr es noch einmal tun, ihr habt noch 8 Minuten Zeit.“ Da sagte die weibliche Statue zur männlichen: „Diesmal hältst du die Taube und ich kack drauf!“
Sich daran aufzugeilen, dass ein anderer in jedes unmögliche Fettnäpfchen getreten hat, was nur möglich war …
Wenn ich ihr wäre, ich hätte wirklich besseres zu tun.

Mit freundlichen Grüßen euer von Euch aus Spaß gewählter Papst Lino 😛

Humor ist wen man trotzdem lacht. Helau. Schau ich mir die Welt an, ist jeden Tag und jede Nacht scheinbar Fassenacht.

Ich kann glücklich sein auch wenn ich nicht so klinge, wenn ich freiwillig oder manchmal auch unfreiwillig Radio hör oder mache.

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Witz komm raus, ich glaub ich bin noch im Keller. Soll ich lache?

Aber glaube mir, höre ich mich selber singen, könnte ich mich dafür manchmal selber fast umbringen.

Wollt etwa auch ihr einen Wein aus der Gegend bei Bingen?

So klingt es wenn angeblich deutsche Römer spinnen.

Wenn ich könnte ich würde ihn euch mitbringen!

Ich mache jetzt Schluss und komm zum Ende …
Als ob ich rumrennen würde und fragen würde nach einer Spende.
Wenn ich schon immer wieder meinen Arsch herhalte.
Hätte ich gerne auch den entsprechenden Ausweis,
mit dem ich rauf und runter könnte von dem Gelände.

Gelinde gesagt ich habe die Schnauze voll zu bitten für etwas, was mich am Leben hält.

Lange rede kurzer Sinn …

Ich war drin, weil ich schon früh nicht einfach spurte und weil für mich Freiheit bedeutet, dass ich sagen kann was mir kommt in den Sinn und entscheiden kann wie ich Lebe und wo ich bin.

Wollt ihr etwa sagen, weil ich kein braves oder gar gewolltes Kind war, soll ich gar bis heute bleiben, einsam, ungezogenes Mamakind?

Scheiß drauf, ich habe es nur aus einem Grund gesagt, weil ich nicht mehr weiter wusste,

„OK, ich spinn!“

Dieser Text ist mir vor langen Jahren rausgerutscht bei einer Nacht am Meer. Als ich wirklich nicht mehr innehalten konnte. Aufgeschrieben habe ich Stückchenweise, meist in größeren Happen als Gesund. Zumindest der Epilog ist im größten Teil zuerst so mündlich damals aus mir herausgesprudelt. Dass ich bis heute jedes Wort praktisch immer noch zu Papier bringe zeigt, wie nötig oder wichtig es mir war. Trotz allem lebe ich nur bedingt dieses freie Leben um welches es mir ging. Finanziell bin ich bis heute immer noch nicht unabhängig oder gar in der Lage eine eigene Familie am Leben zu halten. Mein mir monatlich zur Verfügung stehendes Budget ist trotz 38-40 Stunden Schichtarbeit eigentlich einfach nur ein sehr gutes Taschengeld. Ich kann es keiner Frau verübeln nicht an eine gemeinsame Zukunft mit mir zu glauben. Ich habe mich nach dem damaligen Echo einfach meinem Schicksal ergeben. Ich zittre manchmal mit den Zehen. Strampeln kann man dazu nicht sagen. Dann wäre man ja arrogant und übermütig.

Deshalb sitze ich selbst am Strand, mit allem beschäftigt nur nicht mit Euch.
Weil ich nichts mehr anderes kenne als zuzuschauen wie das Leben an mir vorüber rennt.
Ich weiß es gibt sie noch da draußen, die Engel, die ich leider mit den alten neben mir verscheuch.

Ich denk an Euch

🙂

LINO PHILIPP CASU

PS:

Dieser Text spiegelt nur wieder, mit was ich VERSUCHT!!! habe mich zu beschäftigen!
Es ist ein Jahre zurückliegendes Dokument, was sich mit …
Zeit, Leben, Tod, Vergänglichkeit, Realität, Wahrnehmung, Haltung, Ich/Wir-Fragen beschäftigt.

Es gibt keine absolute Wahrheit/Lösung!
besonders im Bezug auf die Frage, nach den Grenzen der Relativität und der Realität.

Die Frage nach dem Sinn muss jeden Tag neu gestellt und überprüft werden und mit möglichst vielen Ansichten ganzheitlich situativ neu betrachtet werden.

Der Innere Ausgleich und Frieden ist immer vorzuziehen.
Dies schliesst in keinster Weise, das Glück anderer aus, im Gegenteil liegt er oft auch dort.

Einzig die Frage, ob alleine oder mit anderen den Sinn des Lebens täglich aufs neue finden und schätzen lernen, muss jeder für sich selbst bestimmen.

Darin liegt die wahre Freiheit jeden einzelnen.

Ich persöhnlich bin zu dem Schluss gekommen: Der Tod ist in keinem Fall eine Lösung.
Mein Glück habe ich in meiner inneren Mitte und in Begegnungen mit anderen gefunden.

PPS:

Es lebe das Leben und die Freiheit!
Gib Dich Niemals Auf!

PPPS:

ES LEBE DAS KLISCHEE

PPPPS:

PPPPPS:

Zum Schluss will ich mich noch einmal im Lamentieren üben. In meinem Leben wurde ich immer wieder für gekonntes Leiden, Dramatisieren und Lamentieren gelobt, besonders von meiner Mutter 😉

Also dann lege ich mal los mit einem Text in dem ich mich probiere den gescheiterten Messias, Propheten oder heiligen Teufel nachzuahmen:

(Dieser Text ist in einer Deutschstunde entstanden in der es über Sprachebenen im weitesten Sinne ging,[Hänsel und Gretel in Umgangssprache/Jugendsprache] und es lauter wurde und ich auf Durchzug schaltete.)

Der gewollte ankonditionierte und aufgedrückte Konformismus prallt auf den als Antichrist verschrienen und psychiatrisierten pseudo Anarchisten,
der sich denkt: „Wenn das einfach nur ein Aufeinanderprallen der Kulturen wäre?“
Der Prediger (Lehrer) an der Tafel erzieht nicht zum freien Denken, weil er selbst in Schubladen gefangen ist.
Anstatt, dass er einen Erkenntnisprozess eröffnet, der eine Befreiung vom Schubladendenken hin zu einer weltoffeneren Gesellschaft mit einem Lächeln auch über sich selbst eröffnet, wirft er mit Schubladen um sich und gibt keinen Freiraum, indem er zumindest der jungen Generation das Recht zuspricht über ihre eigene Jugendkultur / Codes / und Habitus die Definitionshoheit zu behalten.
Dies führt jedesmal zur Erhöhung der Lautstärke und torpediert jeglichen Dialog, über etwas Essentielles, zumindest in den selbst empfundenen 23er Nachwehen der Pupertät, an dem, der sich selbst als Schiedrichter in einem Spiel ohne Regeln empfindende, im Jahr 2015 einfach an seinem eigenen, als Erfahrungswerte entschuldigtes, Autoritätsparadigma festhält, so von mir empfunden, um des festhaltens Willen.

Wo kommen wir denn hin, wenns Kindlein übers Bänklein springt?

„Eigentlich wünsche ich mir eine Gesellschaft auf Augenhöhe und ein gleichberechtigtes Miteinander“, geistert es in mir herum.
„Das ewige Rollenspiel der Generationen ermüdet meinen Verstand.“

So sitz ich hier, drücke mit 36 wieder die Schulbank, um nicht ganz von der Gesellschaft erschaffenen Klippe des (Anpassungs-)Zwangs des Mitspielenssucht wegen, das als krank empfundende System nicht beachtend, das ich einst selber als Lehramtsstudent unterwandern wollte, zu springen.

„Hatten wir das nicht schon einmal in den 70ern?“ „Nee, das warn die 60er!“

Das Geseier kennen wir doch: „Doch irgendwann habe ich den Traum vom Marsch durch die Institutionen hochkant über Board geworfen (und mich gleich mit?!).“

Die Desillusion manifestiert sich in so vielen Arten. Meist schlägt dem Idealisten ein von Hass und Verachtung durchseuchter Fatalismus entgegen.
„Ist doch schön das frau/mann nicht alleine ist mit dem verlorenen Verstand, das Butterbrot vom Teller geschmissen, weil mal wieder keine Nutella drauf war.“

Aus dem OFF eine Stimmung, wie vor 20 Jahren, umgefähr so:

„Was will der denn?“

So frage ich: „Was willst du denn selber?“

„Hast du nix besseres zu tun, als dich über die Divergenz zu definieren?“

„Wenn es für dich richtig und falsch gibt, wie sehen deine Begründungen aus? Und halten sie wirklich jeder Kritik stand?“

„Des einen Platitüde, des anderen verquerer Verstand, wärend sich die anderen streiten liege ich mit meinen Gedanken weit weg am Strand.“

Doch jammert wieder das schlecht gefütterte gute Gewissen. Im Hinterstübchen die Stimme von Hader einen Satz: „Die Meran san nie do.“
Der Teufel auf der anderen Seite flüstert: „Willste nen Tirolerhut?“

GURKENSALAT !!! schreits aus dem Wald.

Aber kehren wir zurück zum Ernst.
Den Ernst im Leben darf frau/mann wirklich nicht vergessen.
Und eine Meinung sollt man haben.
Wenn nicht beigebracht …
So sollte man sich an die des Lehrers laben.
Es wird wohl einen Grund geben, warum die drei Könige kamen mit den Gaben?

„Is‘ mir egal – “ dröhnt der von Schlaf verschonte Kopf.

„Besinn dich“, sagt der immer verleugnete Pfarrer in mir.

„Ok weiter im Text. Wo waren wir? Hänsel und Gretel standen im Garten ganz still und stumm.“

„Na, alles fit im Schritt?“

„Du Deppert.“

Och nö, Hader ich wollt nen ernsten Text schreiben. 🙁

„Korrekt krass, wie übersetzt man das ins Hochdeutsch.“

Ok, bin immer noch in der Gesellschaftstheoretischen Vorlesung über Enddarm vs Edammer.
Schon wieder fallen mir die Äuglein zu.

WACH BLEIBEN!!!
GEHIRNJOGGING IST AUCH GUT FÜR UNTER 40 JÄHRIGE!!!
SUDOKU HAT NICHTS MIT MATHEMATIK ZU TUN!!!

Das ewige Mantra des bei seinen Eltern noch mit Mitte 30 wohnenden Konterrevolutionär am Kreuzworträtzelmarathonfrühstückstisch,
setzt ungeahnte Kräfte frei.

Ein halb geöffnetes Äuglein erblickt wieder den angefangen Text …

Aroganz und Ignoranz sind keine Meinung, sondern nur ein Machtinstrument zur Ausgrenzung und Unterdrückung.

Vor allem Ignoranz ist in den seltensten Fällen legitim. In den Meisten fällen gehts dann aber um Intimzonen. (z.B. aufm Klo)

Wenn man sich die Geschichte anschaut, hat vor allem die Ignoranz erst die meisten Verbrechen möglich gemacht.
Wer Wegschaut macht sich nicht nur mitschuldig, sondern ist bereits Teil der Tat.

„Es ist die Herrschaft des kleinen Mittelstandes, die Diktatur des Ungeistes. Der Geist, der Intellektuelle, Künstler, Schriftsteller gelte nichts mehr, sei ganz bedeutungslos geworden. Das sei aber gerade, was der Spießer sich immer gewünscht habe, was ihm als der Idealzustand erscheine.“ Harry Graf Kessler

„Übersetz mal bitte ‚Du Opfer‘ ins Hochdeutsch Serdar.“

Kommt Ihnen das nicht auch verdammt bekannt vor?

„Solange es Leute gibt, die nichts können, nichts wissen und nichts geleistet haben, wird es auch Rassismus geben. Denn auch diese Leute wollen sich gut fühlen und auf irgendetwas stolz sein. Also suchen sie sich jemanden aus, der anders ist als sie und halten sich für besser.“ Farin Urlaub

Und schon wieder im Selbstbestätigungstourismus angekommen, stelle ich mir Fragen über Projektionsflächen und Ablenkungsdebatten.

„Ich hätte jetzt wirklich Lust auf eine große Portion GURKENSALAT !!!

Solche Projektionsflächen und Ablenkungsdebatten, lenken von den eigenen Schattenseiten der eigenen Seele ab, sofern man überhaupt eine hat?

Bei einer Konfrontation oder nur dem Hauch einer Gedankenspur, die die scheinbar nicht vorhandenen Ebenen eines verkümmerten oder nicht vorhandenen Gewissens streift,
steigt die unterdrückte Unruhe empor.

Dem Schatten die Freundesschulter hinreichen, wohl wissend, dass wenn der Bogen überspannt, er einen genauso genüsslich verschlingt, wie man um das Selbstverständnis ringt.

„Warum wählen diese Wesen ihre Metzger immer selber?“, in den eigenen Ohren wie hohle Frasen klingt.

Was ist wenn Hiob sich umdreht, und auf die spuckt, die auf ihn gespuckt haben?

Wenn alles egal ist, ist dann auch das eigene Dasein egal?

Der Horizont hat noch nicht einmal die eigenen Nasenflügel erreicht und schon glaubt der sich um den Verstand lachende überhaupt jemals einen Löffel zum Verzehr der Weisheit besessen zu haben.

Und was mache ich?

Die Müh die man entgegenbringt etwas mitzugeben, was niemals zum Verkauf stehen kann (und konnte?), erscheint wie Hohn, dieser lachenden, durch sein eigenes Selbstmittleid als zu offen stehende Münder verzerrte Fratzen.

Kann ich das sagen?
Und dann schau ich in den Spiegel und sehe doch nur meine eigene, durch den leicht greifbaren und ständig gebrauchten Pathos, entstellte Fratze.

Zu viel des Guten und doch so Schlechten, selbstverliebten Radebrechen, …
meine Worte,
mein Seelenstein, mein Seelenstein, mein Seelenstein …
mich nur selber ich bewein.

„Mein, Dein, Sein, ein Heiligenschein“

So erschauer ich vor mir selbst, wie es in mich fällt, es an mir labt und mich zu etwas macht, was selbst ich nicht mag.
Dann weis ich nicht mehr wo oben und unten ist. Was ich tat oder auch nicht, wenns so viele behaupten, warum erinnere ich mich nicht?

Der Bauch, er krümmt, das eigene Wort verloren … immer noch den Pathos leiernd, bleischwehr ziehen mich runter meine eigenen Worte.
Die einst gedacht als Schild vor der Dunkelheit, vor der ich micht zu Tode fürchte.
Wenn ich da noch einmal rein gehe, wie sehr macht sie mich blind?

Die Hilflosigkeit der ich zu entfliehen suchte, mich stellte, mich um den Verstand quälte.

Wie sehr macht sie mich blind?

Ich träumte ich wäre in einem Film und es käme irgendwann der Weinachtsmann, der sagte:
„So jetzt ist genug mein Kind, vom Erwachsen sein, wahrlich brauchst keine Ansgt zu haben. Wovor haste Angst?
Hast doch selber oft gesagt ‚Ich glaub ich spinn‘.
Wenn de dat noch lang wiederholst dann wirste nicht blind, sondern blöd für immer sein.“

Daraufhin kramte er den Grappa raus, trank den letzten Schluck Espresso, schwarz, nicht geschüttelt, nicht gerührt, und schenkte sich ein Gläschien ein:

„Prost Gemeinde, der Pfarrer säuft auch.“

Damit klang der Abend dann auch aus. Ruhe kehrte ein und warum man sich gestritten hatte, wurde bis auf weiteres verschoben.

Am Ende wars ganz einfach. Man musste sich nur eingestehen, irgendwann hatte einer angefangen und sich selbst belogen.
Wer es am Ende war, spielt nach so viel hin und her dann auch keine Rolle mehr.
Klar war immer auch etwas wares dran.

Vor allem Interessen hi und da, doch wenn es wieder nur um das Ei des Columbus geht, schließe ich bewusst meine Ohren und singe, summe vor mich hin, …
lalalala … das ich der einzig wahre Heino bin.

Denn irgendjemand muss es ja sein.

Es sind immer wieder die selben Ausreden.
Sie sind auch gar nicht schlimm.
Was ist daran so schlimm zuzugeben, das man blöd war.
Immer versicherte man werde nie Rauchen, um dann bald 40 immer noch den Glimmstengel Tag ein Tag aus zu liebkosen.
Oder das man lieber Bier als Wein mag und es scheiß egal ist ob man den Kaffee lieber mit Milch oder ohne mag.

Wie die Sonne scheint, so wird der Tag.

GURKENSALAT !!!

Und den Rest erzähle ich unter vier Augen in Ruhe vielleicht, vielleicht auch nicht, an einem anderen Tag.

Sonst bleibt ja gar nix mehr PRIVAT. 😛

Das dachte ich bis heute … (10.06.2015)

Erneut haben wir den selben „Lehrer“. Er kommt in den Klassensaal und schreibt an die Tafel:

Politik: Regeln für gutes Benehmen

Ich denke mir: „Sollte es nicht eher für „ein“ gutes Benehmen heißen?“

Irgendwann las ich:

Schulqualität ist aber selbstverständlich mehr als das Messen von Schülerleistungen anhand von Standards. Der Auftrag der schulischen Bildung geht weit über die funktionalen Ansprüche von Bildungsstandards hinaus. Er zielt auf Persönlichkeitsentwicklung und Weltorientierung, die sich aus der Begegnung mit zentralen Gegenständen unserer Kultur ergeben. Schülerinnen und Schüler sollen zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern erzogen werden, die verantwortungsvoll, selbstkritisch und konstruktiv ihr berufliches und privates Leben gestalten und am politischen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Was machten wir?

Wir bekommen Fragen zum ankreuzen. Eine Frage im Detail:

  1. Ein Geschäftspartner kommt ins Büro. Wie begrüßen Sie ihn richtig?

– Ich begrüße ihn per Handschlag
– Als Mann muß ich aufstehen und ihn per Handschlag begrüßen.
– Das hängt davon ab, wie gut ich den Geschäftspartner kenne.
– Egal ob Mann oder Frau – Aufstehen und Begrüßung per Hand ist Pflicht.

Daraufhin bekamen wir den Auftrag in mindestens 5-7 Sätzen den Unterschied zwischen Höflichkeit und Freundlichkeit darzulegen.

Begeistert über diese dem Konformismus abgeneigte Persönlichkeitsbildung begann ich moderat:

Höflichkeit gilt als ein guter kommunikativer Stil, der als Türöffner angesehen wird.

Um dann gleich meinem inneren Streben nachzugeben.

Trotzdem sind viele alte Regeln heute überholt.
Was höflich ist wird selten hinterfragt.
Berühmt wurde der Knigge, das Buch für „gutes“ Benehmen.
Freundlichkeit ist weniger ein auf Hierachie ausgelegte Umgangsform
und wenn sie ehrlich ist kommt sie freiwillig und von Herzen.
Früher wurde bei Nichteinhaltung von aufoktroierten Höflichkeitsregeln in der Schule
gar die Prügelstrafe eingesetzt.
Das dies heute nicht mehr der Fall ist gilt als zivilisatorischer Fortschritt.
Was wären wir ohne Humanität?
Höflichkeit ist nicht immer human, im Gegenteil, sie hat oft mit Unterordnung zu tun.
Manch einer würde die Worte „gestelzt“ und „devot“ benutzen.
Es gibt zwei Arten der Unterordnung die berechnende zielgerichtete und die erzwungene.
Die erzwungene wird oft mit der als „Türöffner“ zielgerichtete in einen Topf geworfen
mit den Worten das ist wie es ist, weil:
„Wie es in den Wald schallt so schallt es hinaus.“
Den reinen Selbstzweck gibt es in den seltensten Fällen.

Festhalten kann man:

Höflich sein kann man dazu nutzen Hemmnisse abzubauen
und
Freundlichkeit macht man meist freiwillig.

In einer befreiten (aufgeklärten) Welt hat die ursprüngliche Bedeutung
der Höflichkeit der Unterordnung an Gewicht verloren
und beschränkt sich meist auf offizielle und berufsbezogene Situationen,
meist als Türöffner, weil man/frau etwas vom Gegenüber will.

Höflichkeit wird meist mit Seriösität verbunden,
Freundlichkeit mit freundschaftlicher Vertrautheit.

Höflichkeit wird besonders in der „feinen“ Gesellschaft vorrausgesetzt.

Wie fein sie wirklich ist steht auf einem anderen Blatt.

Höfflichkeit passiert meist einer Erwartungshaltung wegen
und
Freundlichkeit der gespielten oder nicht gespielten Zuneigung wegen.

„Das kannste kniggen.“ geistert es beim schreiben in meinem Kopf.

Der Knigge ist aus einer Zeit, in der auch ein gewisser Hang zur Verehrung einer gewissen
hierarschichen bzw militärischen Gesellschaftsstruktur herrschte.

Konformismus?

Wir wissen heute was solch eine Haltung begünstigen kann.

Eine obrigkeitshörige, hierarschiche, Militär anhimmelnde Gesellschaft ist anfällig
für faschistoide, rassistische, Schubladendenkende, in Klassen denkende Strukturen.

In Elias Cannetti’s Werk Macht und Masse wird ein „Mobverhalten“ beschrieben.
Wie es entsteht, wie es sich verselbständigt und wie es den Mensch entwertet.

Elias CannettiMacht und Masse

„Elias Cannetti versuchte, die Dynamik von Menschenmassen zu beschreiben und zu analysieren und der Frage auf den Grund zu gehen,
warum und in welchen Situationen Menschenmassen einzelnen Befehlshabern gehorchen oder Anführern folgen.“

Im gegensatz zu Elias Cannetti teile ich eher die Ansicht von Le Bon und Freud,
dass mit den meisten Massenphänomenen eine Regression des Verstandes einhergeht.
Die rein analytische Sicht Cannetis und Reduktion auf einen antroposophischen Trieb
nimmt den einzelnen aus der Verantwortung sich im Zweifelsfall gegen die Masse zu entscheiden.

Deshalb sage ich: „Höflichkeit ist ein Mittel zum Zweck,
um Zugang zu einem (bornierten?) Gesprächspartner zu bekommen.
Und ihn oder sie durch scheinbaren „Respekt“ im Glauben zu lassen,
er oder sie habe die Kontrolle.

Dieses Trauerspiel führt zur Einschränkung des freien Wortes.
Es ist eine Einschränkung der Meinungsfreiheit
des „höflichen“ (Bitte eigene Definition einsetzen)
gegenüber dem („Gast/Vorgesetzten/Mächtigerem“) gegenüber.

Im übertrieben Sinne führt diese Unterordnung zur „gedanklichen“ Gleichschaltung,
da man im schlimmsten Fall seine eigene Werte über Board werfen muss,
um die devote Haltung annehmen zu können.

Zitat von Sophia Loren: “Im Leben muss man dauernd zwischen Aufrichtigkeit und Höflichkeit wählen.“

Dann sollte vorgelesen werden. Es wurde die Frage gestellt:

„Wie viel Sätze habt Ihr und wer will vorlesen?“
„4“
„10“

Ich: „4 Seiten, aber ich glaube ich darf nicht vorlesen.“
„Ja 4 Seiten sind zuviel.“

Am Ende wollten aber nur 3 Leute vorlesen und die Stunde hatte noch 20 Minuten.

„Ok Lino eine Seite.“

„Ok das reicht.“

Dann wurde noch ein Ankreuzfragebogen ausgeteilt. Hier wieder eine Frage zur Anschauung:

  1. Welche Themen würden Sie zum Smalltalk wählen?

– Politik und Religion
– Familienverhältnisse
– Kultur und Sport

Ich klinke mich raus und lass die anderen machen.

„Politik und Religion“
tosendes Gelächter
„Wer redet heute noch über Politik?“

„… im Politikuntericht“, wollte ich am liebsten anfügen. 😛

Da klingelt es.

Canzoni Anarchici:

Warum überhaupt Zwang in der Psychiatrie? Gibt es überhaupt Vorteile dadurch?

In unserem Schulsystem wurde die Züchtigung am 1. April 1969 aus dem deutschen Schulsystem verbannt, da sie die seelische Gesundheit schädigt. Nicht nur von Betroffenen wird der Zwang in der Psychiatrie oft als Folter angesehen. Selbst der UN-Sonderberichterstatter Juan Ernesto Mendez hat 2014 dies als Folter deklariert. In den 60ern entwickelte sich die Erziehungswissenschaften nicht nur durch Piaget und Frenet etc. weiter. Im Zuge des gesellschaftlichen Wandels, mit den Forderungen einer humaneren Gesellschaft veränderte sich die Sicht auf unser Schul- und Bildungssystem radikal.

Der Mensch steht im Vordergrund. Ansichten, dass Gewalt eher negative Ergebnisse erzielt, wie mehr Depressionen, mehr Traumata, eher mehr renitentes Verhalten fördern, etc., sind nicht nur im wissenschaftlichen Diskurs, sondern auch in weiten Teilen der Gesellschaft angekommen.

Die Frage, ob ein Normativ gleich mit Norm gleichzusetzen sei und das Pressen in eben jene Schublade des Normatives förderlich sei verliert nur meiner Meinung in der heutigen Zeit, in der so viel über das wahre Normativ gestritten wird, an Fokus, da vergessen wird, welche förderlichen Effekte die Zeit der 60er bis heute hatte.

Meiner Meinung friert das Pressen in ein nicht passendes Korsett eines unverstandenen und möglicherweise unnötigen und freien Lebens hinderlichen Normatives den Geist und die Seele in Schranken, fern von Kreativität und fortschrittlichen Ideen.

Zwang in der Edukation gilt schon lange als überholt und kontraproduktiv.

Warum sollen dann gerade sensible mit psychiatrischen diagnostizierte Menschen Zwang erfahren?

Viele Betroffene und da schließe ich mich selber ein, empfinden die Psychiatrisierung gerade deshalb als Leidensweg, weil der Zwang in der Psychiatrie als psychische und körperliche Gewalt erfahren wird.

Warum dann überhaupt Zwang in der Psychiatrie?

Es gibt keinen Grund dafür.

Die Erfahrungen in Heidenheim haben gezeigt, das ohne Zwang bessere Heilungserfolge erzielt werden. Desweitern sprechen viele Gründe dagegen, auf die ich versuchen werde einzugehen.

Nehmen wir z.B. die Medikation.
Laut Felix Hasler, einem Schweizer Neurologen, der über 25 Jahre die Wirkung von Neuroleptika erforscht hat, gibt es bis heute keine eindeutigen Nachweise, dass Neuroleptika überhaupt helfen. (Neuromythologie, Felix Hasler,ISBN 978-3-8376-1580-7).Das liege alleine daran, dass bei Probanden für alleine die selbe Verarbeitung nicht immer eindeutig die selbe Hirnregion ausgemacht werden kann. Alles was über motorische Fähigkeiten hinausgeht ist nicht reproduzierbar. Für das Bewusstsein gäbe es bis heute keine statistisch relevanten Fakten und damit keine evidenten Theorieansätze bis heute, auf die sich komischerweise die biologistische Psychiatrie vehement beruft.

Weiter hat die neuseeländische Neurologin Joanna Moncrieff Forschung bezüglich der Streuung der Substanzen im Hirn betrieben und kommt zum Schluss, das mehr unerwünschte Effekte, als erwünschte herbeigeführt werden.
Dies geht, was Nebenwirkungen angeht, bis zum Tod. Viele sind dem Irrglauben verfallen, dass moderne Neuroleptika harmloser seien. Selbst durch Neuroleptika wie Leponex/Clozapin und Xeplion/Paliperidon besteht Lebensgefahr. Ein Rückgang bei Clozapin von 10-16% auf 5% sind immer noch zu viel. Bei Xeplion wurde bei einer Studie in Japan kurz vor Markteinführung in Europa der Tod aufgrund von Ersticken im Schlaf bei 17 von 100 Patienten festgestellt. Zudem weisen mehrere Studien auf den Rückgang der Hirnmasse vor allem des Frontallappens und der Hirnrinde hin.

Volkmar Aderhold, wie auch der Bundesverband der Psychiatrieerfahrenen fordert deshalb eine Todesstatistik psychiatriesierter Menschen. Laut den Daten die Aderhold vorlagen verdoppelt sich die Sterberate bei Einnahme eines Neuroleptikums. Bei Nichteinnahme eines Neuroleptikums liegt die relative Sterberate bei bei dem Faktor 1,29. Bei der Einnahme von einem Neuroleptikum steigt die relative Sterberate schon auf den Faktor 2,95. Bei drei Neuroleptika steigt die relative Sterberate schon auf den Faktor 6,83.

Die Suizide sind dabei schon herausgerechnet.

Da aber die Krankenkassen eine detaillierte Auswertung ihrer Daten verweigert, liegt sie vermutlich weit höher.

Desweiteren sind die Langzeitfolgen bis heute kaum statistisch erfasst.

Im Volksmund ist zwar scheinbar viel über „schreckliche“ Nebenwirkungen und die Gefahren bekannt.
Dyskenesien, Stoffwechselstörungen und Gewichtsveränderungen sind oftmals, zumindest bei den Patienten und Psychiatern bekannt. Auch Gefahren wie eines auftretenden Diabetes als Beispiel sind bei erfahrenen Psychiatern bekannt. Von Nieren-, Herz-, und weiteren Organschäden wird aber meist hinweggesehen.
Über tödliche Effekte, wie Schlag- und Herzanfälle oder Ersticken im Schlaf und möglichen Organversagen wollten aber meine 5 Psychiater in meiner 12 jährigen „Psychiatriekariere“ nie darüber reden geschweige denn aufklären. Es ist schon verwunderlich, dass Betroffene so oft zu Schein- und wahren Experten werden (müssen?).
Durch die Verunsicherung und Druck durch Zwang begeben sich viele Betroffene und Angehörige oft auf eine Sinnsuche. In erster Linie bleiben die Betroffenen ihre besten Berater und wahren Experten.

In dem Sumpf aber an vermeintlichen Gründen und Ursachen und Lösungsansätze sollten sich Betroffene hüten, sich zu sehr von Scheinexperten beraten zu lassen und selber zu Scheinexperten zu werden.

Da aber in der Realität der Zwangsmaßnahme der oder die Betroffene und Angehörige sich oft aus dem Gefühl der Ohnmacht an jeden Strohhalm heftet, der hingereicht wird entsteht oft ein endlos langer Leidensweg gerade durch die Unaufgeklärtheit. Den aufgeklärten Patienten kann man nicht voraussetzen, genauso wie ich als Betroffener mit 23 Klinikaufenthalten und angefangenem Lehramtsstudium mit ein paar Psychologievorlesungen und vielen gelesenen Bücher und einem „Internet-Wissen“ nie behaupten würde alles zu wissen.

Nur verhält sich besonders oft das Umfeld besonders zu Anfang, als wüsste es alles, genauso wie lange Psychiatrieerfahrene anderen Psychiatrieerfahrenen gegenüber.

Dasselbe gilt für Profis.

Nur ein aufgeklärter Patient ist all dem auch gewachsen.
Denn er oder sie ist immer der wahre Profi. Da es immer um ihn oder sie selber geht und er oder sie der Betroffene ist.

Kaum ein Psychiater klärt von sich aus den Patienten überhaupt über all die Risiken der Medikamente und vieler Therapien auf.

Es wird meist nur eine Psychodedukation, wenn überhaupt (in nicht jeder Station und Klinik ist das Standard wie im Haus 9 in Gießen), mit Ansätzen von Empowerment und Recovery angeboten. Eine Aufklärung über die Risiken der Medikamente wird von der Klinik oder Psychiater von sich aus fast immer nicht betrieben und aber oft vom Umfeld und Patienten auch einfach verklärt.

Für die Betroffenen auch oft ein wichtiges Thema ist Stigmatisierung.
Die Debatte der Stigmatisierung ist innerhalb der Betroffenenverbände in den vergangenen Jahren auch im Zuge des Mollathprozesses wieder aufgeflammt. In den Köpfen der „Profis“ und Politiker werden sie aber anders wahrgenommen. Dies sieht man am Teilhabegesetz und an den Forderungen der DGPPN und der Diskrepanz der Betroffenenverbände bei der Erneuerung der PsychKGs in den einzelnen Ländern nach dem Bundesverfassungsurteil zur Zwangsmedikation von 2011.

In der letzten Anhörung im Landtag in NRW wurde sogar glatt gelogen.
Der neue Gesetzentwurf beinhaltet eine genaue Staffelung der Zwangsmaßnahmen mit z.B. Festhalten soll vor Fixierung angewandt werden und der Forderung den möglichst geringsten Zwang anzuwenden. Was aus Sicht der Betroffenen meist als Fortschritt, aber immer noch nicht die Optimal Lösung, nämlich gar kein Zwang, angesehen wird. Aus der Reihe der Profis wurde geäußert, dass es keinerlei Erfahrungen und Evidenz gebe, dass dies überhaupt umsetzbar oder besser für den Patienten sei. Dabei wird dies in England schon länger mit Erfolg praktiziert.
Klar bedeutet dies mehr Aufwand vom Personal, aber dass es keine Erfahrungen dazu gäbe ist eine glatte Lüge.
Solche Falschaussagen verhärten die Fronten zwischen Profis und Betroffenen und führen nicht nur in esoterischen Kreisen zu den abstrusesten Verschwörungstheorien.
Während das sog. Gute Bürgertum sich selber auf die Schultern klopfend von Stigmatisierung frei redet, geht, dass was ich als das Mollathgefolge benenne, mit immer weiter rechts außen Allianzen ein.

Nicht alles ist mit Stigmatisierung entschuldbar, aber bei nicht entschuldbare Stigmatisierung von Betroffenen, sie selber auch noch aufzufordern sich in die Opferrolle zu begeben bezüglich des Ursprung der Krankheit und sich alleine als Grund zu sehen, finde ich genauso frevelhaft.
Nicht zu jedem Preis muss der oder die Ausgestoßene bzw. stigmatisierte Andere sich reintegrieren wollen müssen.
Gerade bei dem was UN- Folterbeauftragter Mendez als Folter bezeichnet, besteht auch ein Recht auf zumindest inneren Widerstand.
Deshalb lehne ich persönlich jeglichen, besonders körperlichen Zwang, auch und gerade „medikamentösen“, ab.

Alleine die Erfahrungen der Heidenheimer Psychiatrie haben gezeigt:
Ohne Zwang geht es auch und sogar besser.

Ebenfalls kritisiere ich am Gesetzentwurf die Strukturierung der Aufenthaltsprüfung.
Matthias Seibt brachte während der letzten Anhörung im Landtag in NRW, als Sprecher des Landesverbandes der Psychiatrieerfahrenen, den Vorschlag eines Paragraphen §14a ein.

Eine Zeitnahe, ohne Medikamenteneinfluss und Fixierung stattfindende, mindestens halbstündige Befragung durch den zu entscheidenden Richter des Betroffenen, in möglichst unbeeinflusstem Zustand.
Es darf nicht alleine auf die Urteilskraft des Arztes, Betreuers oder Angehörigen alleine sich verlassen werden.

Der Betroffene sollte auch ein Recht haben sich zu äußern und zwar nicht nur, wie in Hessen schriftlich innerhalb von 2 Wochen Widerspruch einlegen, was viele beim Erstaufenthalt gar nicht wissen, oder über einen Rechtsbeistand. Der Richter sollte sich selber ein Bild des Betroffenen machen müssen.

Auf der einen Seite wollen die „Profis“ aus der rechtlichen Verantwortung heraus und die Betroffenen ihre Rechte einklagbar haben. Aber schon in der Anhörung wurden sofort Stimmen laut über die Nicht-Umsetzbarkeit einer solchen zeitnahen Befragung durch den verantwortlichen Richter.

In meinen Augen sollte der Betroffene zeitnah, nicht innerhalb von 2 Wochen oder mehr, sondern innerhalb von 3 Tagen IMMER befragt werden vom Richter.

Nicht nur, dass so viele Betroffene frühzeitiger entlassen werden könnten und die Kliniken auch eher entlastet werden, auch im Sinne der Betroffenen und für mehr Rechtsicherheit.

(Lino Casu, 21.09.2016)

http://linocasu.org/up/Warum%20%C3%BCberhaupt%20Zwang%20in%20der%20Psychiatrie.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=fvPpAPIIZyo

PPPPPPS:


IN GEDENKEN AN ALLE DIE VERSUCHT HABEN EIN ZEICHEN ZU SETZEN UND VERGESSEN WORDEN SIND

PSlein am Schluß:

Für eine vernünftige Gesellschaft, bräuchte man nur den kathegorischen Imperativ von Kant, die 10 Gebote, vor allem „Du sollst nicht Töten“, über die Ehe kann man streiten, und Art.1 Absatz.1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“.

Es wäre so einfach. Eine Prise Toleranz und Humanismus anstatt Hass und Intoleranz.

77 Gedanken zu „LAMMFROMM“

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