Millenials – Die Absteiger – Frankfurter Rundschau

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Geringe Einkommen, unsichere Jobs: Erstmals steht die junge Generation der 15- bis 35-Jährigen wirtschaftlich schlechter da als ihre Eltern.

Unsere Kinder werden es mal besser haben als wir – dieser Satz galt in früheren Jahrzehnten als Selbstverständlichkeit. Dank Wirtschaftswachstum, technologischem Fortschritt und steigender Produktivität war stets klar: Die nächste Generation lebt besser als die vorangegangene. Doch dieser Trend bricht. In vielen Industrieländern droht ein Rückschritt. „Die jüngere Generation könnte schlechter dastehen als ihre Eltern“, so die Unternehmensberatung McKinsey – und warnt vor den politischen Folgen.

Jetzt schlug die britische Resolution Foundation Alarm: Berücksichtige man die Preissteigerungen, so liege das Einkommen von Briten in ihren Zwanzigern niedriger als das der Generation davor. Die sogenannten Millennials – 15- bis 35-Jährige – verdienten real rund 8000 Pfund weniger als ihre Eltern, als diese im gleichen Alter waren. Keine Verbesserung des Lebensstandards von einer Generation zur nächsten – seit Beginn des 20. Jahrhunderts sei das nicht mehr vorgekommen. Und das ist wohl kein Ausrutscher: Steigen die Einkommen der heutigen Millennials in den kommenden Jahrzehnten ähnlich wie die der vorangegangenen „Generation X“, so verdienen die heute Jungen in ihrem gesamten Arbeitsleben weniger als ihre Eltern, prognostiziert die Stiftung.

Das Versprechen eines besseren Lebens für die nächste Generation – es wackelt nicht nur in Großbritannien. Das McKinsey Global Institute hat in 25 Industrieländern die Entwicklung der Markteinkommen – Löhne und Kapitalgewinne – zwischen 2005 und 2014 untersucht. Ergebnis: Abzüglich Preissteigerungen verzeichneten zwei Drittel aller Haushalte in dem Zeitraum keinen Fortschritt oder erlitten sogar Verluste. Das bedeutet: In den vergangenen zehn Jahren konnten 540 bis 580 Millionen Menschen ihre Einkommen nicht steigern, so McKinsey. Zum Vergleich: Zwischen 1993 und 2005 betraf dies nicht mal zehn Millionen Menschen in den untersuchten Ländern – zwei Prozent aller Haushalte. Die Debatte über die wachsende Ungleichheit konzentriere sich meist darauf, dass sich die Einkommen und Vermögen bei den Top-Verdienern sammelten, so McKinsey. „Wir wollen den Blick darauf lenken, dass es immer mehr Haushalte gibt, die überhaupt nicht vorankommen.“

armut

„Weltgesellschaftlich gesehen ist das Megathema der nächsten 30 Jahre Ungleichheit, nicht mehr Ökologie und nicht mehr nachhaltige Entwicklung. Weil Ungleichheit alles kreuzt“, schreibt der Soziologe Heinz Bude in einem von der Bertelsmann-Stiftung heraugegebenen Buch über die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft.

Bude sieht in Deutschland ganz konkret die Gefahr, dass ein Dienstleistungsproletariat entstehe, das keine Perspektive auf Wohlstand und sozialen Aufstieg durch die eigene Arbeit habe. Gesellschaft und Politik müssten deshalb nach Wegen suchen, den Begriff der Solidarität, der für die Soziale Marktwirtschaft tragend sei, neu zu definieren.

www.stuttmann-karikaturen.de_karikaturen_2014_Armut_kol

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