Realitätsverlust der Gesellschaft – Ariadne von Schirach

Die psychotische Gesellschaft

Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden

Man könnte meinen, die Welt wäre verrückt geworden. Was ist, wenn das tatsächlich stimmt?

Angesichts einer immer verrückter werdenden Gegenwart ist es an der Zeit, uns wieder an unsere Würde, unsere Träume und unsere Verantwortung für unser eigenes und gemeinsames Leben zu erinnern. »Die psychotische Gesellschaft« ist eine hellsichtige Analyse unserer ökonomisierten Gesellschaft und zugleich ein leidenschaftliches Plädoyer für einen anderen Umgang mit Natur, Menschsein und Liebe.

Selbstmordattentäter, Geflüchtete und populistische Präsidenten. Und dann spielt auch noch das Klima verrückt. Dieser krisenhafte Zustand hat viele Gründe. Die Ökonomisierung der Welt hat sich im 21. Jahrhundert fast vollendet. Sie betrifft schon lange nicht mehr nur das Sichtbare, sondern reicht tief in das Unsichtbare hinein: in das Soziale, in den Umgang mit uns selbst, den anderen und der Welt. Der Selbstwert ist zum Marktwert geworden, die Grenzen zwischen Ich und Welt verschwimmen. Das Resultat dieser kollektiven Identitätskrise ist eine psychotische Gesellschaft, deren Mitglieder weder wissen, wer sie sind, noch was sie sollen, und deshalb unfähig sind, mit sich und miteinander bewusst, wertschätzend und angemessen umzugehen. Doch jede Krise trägt in sich die Möglichkeit einer neuen Ordnung, sie ist eine Chance, unser Verhältnis zu uns, den Anderen und der Welt neu zu erzählen.

 

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Rezension zu Götz Eisenberg: „Zwischen Anarchie und Populismus“ — NachDenkSeiten – Die kritische Website

Wer sich noch halbwegs einen klaren Verstand bewahrt hat, muss angesichts der Zumutungen und Verrücktheiten der Gegenwart oft schier verzweifeln. Dass sich die Leitmedien in ihrer großen Mehrheit der Manipulation der Leser und Zuschauer verschrieben haben, statt die täglich auf uns einprasselnden Nachrichten zu analysieren und Hintergründe auszuleuchten, vertieft diese Verzweiflung noch. Umso wichtiger sind…

über Rezension zu Götz Eisenberg: „Zwischen Anarchie und Populismus“ — NachDenkSeiten – Die kritische Website

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Sag alles ab.

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Ein Plädoyer für die Weltrevolution mit Stil – das Buch über Karriereverweigerung und das Ende der neoliberalen Epoche

»Was könnten wir nicht alles, wenn wir dürften, wie wir wollten – wenn wir einfach alles sausen ließen, die große Verweigerung im Kleinen ausriefen. Dann würden wir spazieren mit Henry David Thoreau, mit Onkel Teddy auf dem Rücken liegend ›rien faire comme une bête‹, mit dem schönen Albert im offenen Cabriolet ins innere Lourmarin fahren. Und mit Bartleby lakonisch hauchen: »I would prefer not to …«. (Christian Dries)
Gut, Bartleby verstört nicht nur seine Umgebung, sondern auch sich selbst und ist am Ende tot. Aber konsequenter kann man nicht generalstreiken (und dabei auch noch so höflich bleiben)

»Verweigerung ist nur der Anfang!« – 2014 wurde das Haus Bartleby, Zentrum für Karriereverweigerung e.V., als Thinktank gegen frenetisches Wirtschaften und Vollbeschäftigung gegründet. Die vier Gründer und ihr weit verzweigtes Netzwerk betreiben hier aktive Lobbyarbeit für ein neues Verständnis von Arbeit, für Selbstermächtigung und Emanzipation vom kapitalistischen Wachstums- und Karrierefetisch. Sag alles ab! versammelt elegante und egalitäre Plädoyers aus diesem Kosmos von Mira Assmann, Antonia Baum, Niels Boeing, Deichkind, Christian Dries, Sonja Eismann, Alix Faßmann, David Graeber, Paul Herden, Das Kapitalismustribunal, Oliver Kociolek, Andrea Komlosy, Van Bo Le-Mentzel, Anselm Lenz, Dirk von Lowtzow, Hans-Peter Müller, Martin Nevoigt, Guillaume Paoli, Jörg Petzold, Volka Polka, Lucy Redler, Ulrich Renz, Holger Schatz, Heiko Sievers, Hendrik Sodenkamp, Patrick Spät, Nis-Momme Stockmann, TAPETE, Yanis Varoufakis, Elisabeth Voß, Anne Waak.

Süddeutsche Zeitung über das Buch

 

Aus Job und Hamsterrad aussteigen: Die Initiatoren von “Haus Bartleby” rufen dazu auf. Und plädieren für Faulenzen mit Stil. Aber wovon leben?

Der Treffpunkt ist schon mal passend. “Haus Bartleby” lud am Wochenende in das “Silent Green Kulturquartier” in Berlin, einem ehemaligen Krematorium im Wedding. Hübsch friedlich ist es hier, aber auch ein bisschen gruselig. Die Besucher sitzen auf schwarz-marmornem Fußboden, während eine Initiative ein Jahres-Grundeinkommen verlost.

Der Verweis auf den Tod ist gelungen, denn auch die Initiatoren von “Haus Bartleby” wollen etwas sterben lassen – und zwar nichts Geringeres als den Kapitalismus, sowie alles, was ihrer Meinung nach damit zusammenhängt: Selbstoptimierungswahn, Ausbeutungs-Prinzipien, die massenweise zum Burn-out führen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, die längst die Mitte der Gesellschaft erreicht haben, Abstiegs- und Existenzängste, die das tägliche Hamsterrad zugunsten einer immer kleineren und immer wohlhabenderen Riege von Superreichen antreiben. Und natürlich alles, was über die Probleme des Einzelnen hinausgeht: Die Ausbeutung der Umwelt, das Führen von Kriegen aus wirtschaftlichen Interessen, die Machtverteilung zugunsten von Eliten anstelle echter Demokratie.

Das Mädchen im Park – über das Buch

Scheinbar leiden wir alle an einer besonderen Form des Stockholm-Syndroms, bei dem die Opfer von Geiselnahmen mit der Zeit ein positives Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen, sogar mit ihm sympathisieren und kooperieren. Wir sind kollektiv gefangen genommen worden von der Arbeitsgesellschaft des Kapitalismus. Und obwohl wir eigentlich nach Freiheit und unserem Recht auf Faulheit streben, laufen wir munter weiter im Hamsterrad der Verwertungslogik.

Mit diesem Paradoxon und den Möglichkeiten, es aufzubrechen, beschäftigt sich die Essay-Sammlung „Sag alles ab!“ vom Haus Bartleby, das 2014 gegründete „Zentrum für Karriereverweigerung“. Die vier Initiator*innen versammeln hier unterschiedliche Plädoyers für „den lebenslangen Generalstreik“, für „die Weltrevolution mit Stil“ und für „das Ende der neoliberalen Epoche“. Große Worte, die ein Taschenbuch mit 160 Seiten kaum erfüllen kann.

Die kurzweiligen Texte nähern sich den Themen Arbeit und Karriereverweigerung aus ganz unterschiedlichen Perspektiven, die meisten leben von persönlichen Erfahrungen und Erkenntnissen. Mal emotional, mal künstlerisch, mal sachlich und nüchtern, gehen sie der Frage nach, wie ein persönlicher Generalstreik aussehen kann. Seien es alternative Bildungsformen, kleine Rebellionen eines Jobcenter-Mitarbeiters, die Anerkennung von unbezahlten Tätigkeiten als Arbeit, die Zurückeroberung von Zeit und Müßiggang, eine Kritik der seriellen Monogamie oder ein kämpferischer Aufruf an Gewerkschafter*innen.

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Neue Denkanstöße, aber kein Patentrezept

Alle Autorinnen sind sich einig, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher. Sie geben einen Einblick in ihren persönlichen Umgang mit der Herausforderung, „das Alte“ sterben zu lassen und etwas Neues aufzubauen. Die ist offenkundig keine leichte Aufgabe – weder auf individueller noch auf gesellschaftlicher Ebene. Jeder Leser*in wird sich von anderen Beiträgen angesprochen und inspiriert fühlen, vielleicht einen neuen Denkanstoß bekommen. Ein Patentrezept für einen lebenslangen Generalstreik, für die Weltrevolution findet sich in diesem Buch nicht. Aber immerhin einen Vorschlag, welche Zutaten es braucht.

Haus Bartleby (Hg.): Sag alles ab! Plädoyers für den lebenslangen Generalstreik, Edition Nautilius, Hamburg 2015, 160 Seiten, broschiert, ISBN: 978-3-89401-824-5, 14,90 Euro.

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