Zwang in der Psychiatrie …

Zum Thema Zwang hier ein Text von mir:

Mein Text als PDF

  • Zussammenfassung:
  1. Warum ich Zwang ablehne
  2. Was für Gesetzesänderungen ich mir wünsche
  3. Was ich von den neuen PsychKG’s halte

Zum Thema Zwang hier das letzte Urteil des Bundesverfassungsgerichts:

Artikel über das wegweisende Urteil des Bundesverfassungsgericht

Heidenheimer Klinikleiter zum Urteil und zum Thema Zwang

  •  Zussammenfassung:
  1. länger als 30 Minuten ohne richterliche Genehmigung fixieren ist verfassungswidrig
  2. richterliche Genehmigung muss spätestens am Morgen danach eingeholt werden

Thema Rechtsbeugung durch Richter:

Frankfurter Rundschau – Betreuungsrichter wird zu 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt

BGH – bestätigt Urteil gegen Richter

  •  Zussammenfassung:
  1. Richter verteidigt sich mit : „Das ist doch gängige Praxis“ und bekommt 3 Jahre und 6 Monate
  2. Richter die nur telefonisch abnicken und nicht den Patienten selber begutachten begehen Rechtsbeugung
  3. Vor- und Nachdatieren der richterlichen Genehmigung ist ebenfalls Rechtsbeugung
  4. Mindeststrafe 3 Jahre

Bei meiner letzten Fixierung drohte mein Vater nur mit Anzeige. Am selben Tag wurde ich entlassen.
Auch wenn oben genanntes gängige Praxis ist, Unwissen schützt vor Strafe nicht!
Deshalb rate ich immer zur Anzeige oder zur Androhung einer Anzeige, um die Fixierung zu beenden.


Zusätzlich rate ich zu einer Patientenverfügung mit Vorsorgebevollmächtigte …

die sind Betreuern gleichgestellt und haben Vetorecht. Es sollten mindestens 3 Personen als Vorsorgebevollmächtigte eingetragen sein, die auch selber die Patienverfügung mit unterschreiben und damit dazu einwilligen, damit, da Entscheidungen einstimmig ablaufen müssen, jeweils diejenigen dafür sorge tragen, mit ihrem Vetorecht, dass immer, wie gesetzlich vorgegeben, im Sinne des Patienten gehandelt wird.


Zwei Beispiele einer solchen Patientenverfügung:

Bochumer Willenserklärung

Patverfue



Solch eine Patientenverfügung ist zwar seit dem 01.09.2009 gesetzlich bindend, aber oft, so auch selber erlebt, halten sich die Ärzte nicht daran. Das „gängige Praxis“ aber nicht gleich rechtens ist, zeigen die oben genannten Urteile. Vorsorgebevollmächtigte, die Betreuern gleich gestellt sind, die sich in solchen Situationen nicht unterkriegen lassen und das Recht des Patienten durchsetzen und ihm oder ihr helfen es zu erstreiten sind da leider Grundvorraussetzung. Eine vorhandene Patientenverfügung erhöht aber die Chancen einer möglichen Klage.

Die meisten Betroffenen sind leider in so Situationen auf sich alleine gestellt und oft auch krankheitsbeding zu schwach um sich zu wehren.

Deshalb rate ich jedem möglichen Betroffenen…

(fast jeder kann bei einer plötzlichen Krisensituation [Burnout, Mobing am Arbeitsplatz, Todesfall in der Familie, Diagnose einer unheilbaren Krankheit, man kommt altersbedingt in ein Altenheim, man hat zu viel getrunken und wurde auffällig, etc] plötzlich in so eine Situation kommen)

sich möglich ein gutes Netz an Familie und Freunde zu bewahren, dass einen in so Situationen unterstützt und nicht alleine lässt.


kleiner Tipp zum Vorgehen als Verwandter bzw Vorsorgebevollmächtigter:


Das mit dem Vordatieren nicht gleich sagen. Oft haben die gar keine richterliche Genehmigung und sagen „Nehmen Sie bitte kurz Platz draussen ich suche die schnell raus“ und rufen dann erst den Richter an. Auf dem Fax-Ausdruck ist meist die Faxzeit gedruckt. Deshalb geht man meist am besten zu zweit hin, um sich das dann gegenseitig bezeugen zu können. Man merkt sich den Richternamen, das zuständige Amtsgericht und die Faxzeit. Dann droht man mit Anzeige, was oft schon reicht und hat alles was ich an Informationen zur rechtlichen Lage oben gepostet habe in doppelter Form ausgedruckt dabei, eins für die Klinik und eins für die Polizei, sollte man die Anzeige durchziehen.


Ich weiß, eine Klage ist sehr anstrengend und sollte es über die erste Instanz hinausgehen, kein finanzielles Zuckerschlecken. Deshalb geben viele verständlicherweise schon früh auf. Trotzdem rate ich, mit Anzeige zu drohen, weil das oft schon ausreicht, um eine Fixierung zu beenden, wenn mann oder frau energisch genug auftritt.

Habt Mut zu helfen und euch nicht Mundtot machen zu lassen!


Und trotz alledem, verstehe ich jeden, der anders damit umgeht und des Friedens willen die Sache auf sich beruhen lässt.

Denn dieser Spruch von Voltaire stimmt:

glücklich

Manchmal ist es trotz allem besser, zu verzeihen, und glücklich sein.

Wer aber als Angehöriger, Betroffener, Vorsorgebevollmächtigter, aus diesem Artikel Kraft schöpft, zu helfen, sich nicht unterkriegen zu lassen, die Rechtsgrundlagen zu finden, um besser zu argumentieren zu können, Argumente findet, warum Zwang in fast allen Fällen unberechtigt ist, für den oder diejenige ist dieser Artikel.

🙂

 

 

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